Dark Light
Shahrokh Dini – nicht nur hier in Karlsruhe, sondern weltweit werden seine DJ-Erfolge zu Recht gefeiert. Anfang 2016 hat er sich dazu entschlossen, eine neue Bar zu eröffnen, direkt im Herzen von Karlsruhe. Beim Interview inmitten unzähliger Schallplatten und bei typisch persischem Tee reden wir nicht nur über die Musik und die Monk Bar, sondern auch über das Leben generell, über die Gesellschaft, Gott und die Welt. Für Shahrokh gibt es „keine Religion außer Musik und Liebe“ und diese Überzeugung hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist: erfolgreich – und dennoch absolut bodenständig, den Blick immer auf das Wichtige gerichtet.

Shahrokh Dini – nicht nur hier in Karlsruhe, sondern weltweit werden seine DJ-Erfolge zu Recht gefeiert. Anfang 2016 hat er sich dazu entschlossen, eine neue Bar zu eröffnen, direkt im Herzen von Karlsruhe. Beim Interview inmitten unzähliger Schallplatten und bei typisch persischem Tee reden wir nicht nur über die Musik und die Monk Bar, sondern auch über das Leben generell, über die Gesellschaft, Gott und die Welt. Für Shahrokh gibt es „keine Religion außer Musik und Liebe“ und diese Überzeugung hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist: erfolgreich – und dennoch absolut bodenständig, den Blick immer auf das Wichtige gerichtet.

 

DJ-Legende Shahrokh Dini in seiner neuen Monk Bar!

 

Shahrokh, du bist nun seit fast dreißig Jahren als DJ unterwegs, ist das richtig?

Ja, genau. 1991 habe ich angefangen, sehe mich selbst aber erst seit 1995 wirklich als DJ. In der Zeit dazwischen habe ich begonnen, mich für elektronische Musik zu interessieren.

Ich gehe mal davon aus, dass dir das Auflegen auch heute immer noch Spaß macht?

Nach wie vor! Wenn man in einer guten Location auflegt, die Leute und das Ambiente stimmen, ist es immer ein tolles Gefühl. Was auch Spaß macht, ist Sachen zu spielen, die die Leute nicht kennen. Da spiele ich dann gerne Promos, die ich vorher bekomme und die ich gut finde, und mische diese gerne mit älteren Sachen. Musikgeschichte, das ist für mich wie Kunstgeschichte.

Wenn du mir jetzt drei Gründe nennen müsstest, warum du immer noch gerne auflegst, welche wären das?

Zum einen, weil die Bewegung weitergehen muss. Es wäre ja schade, wenn das, was wir damals angefangen haben, mit House Music, einfach ins Leere läuft. Gerade deshalb sind für mich die Schallplatten so wichtig, da hat man immer etwas zum Anfassen, mit Cover, mit Konzept. Zum anderen habe ich jahrelang Energie darein investiert, mir einen Namen gemacht und solange es funktioniert, will ich es machen, auch selbst produzieren. Früher habe ich meine eigenen Sachen nie gespielt, aber mittlerweile spiele ich auch das gerne.

Du legst nicht nur hier in Karlsruhe auf, sondern in ganz Deutschland und gar weltweit? Wo war es bisher am coolsten und wo hat es am wenigsten Spaß gemacht?

Meine Lieblingsecken sind Miami und Ibiza, dort wo die Sonne scheint und die Leute freundlich sind. Und Südafrika war eines meiner schönsten Erlebnisse von der Tour her. Wobei, es gibt echt viele coole Orte. Auch Oslo und Helsinki waren super. Bei mir hat es echt noch keinen Ort gegeben, an dem mir das Auflegen keinen Spaß gemacht hat. Egal wo ich hinkomme, die Leute begegnen einem mit Respekt. Stattdessen würde ich eher sagen, dass ich in Karlsruhe immer noch kämpfen muss. Was nicht heißt, dass ich hier keine geilen Abende verbracht habe (lacht)! Zum Beispiel die After Art Partys oder ZKM Partys sind immer großartig.

Wie oft bist du heutzutage bei Gigs im Ausland unterwegs?

Dadurch dass ich jetzt die Monk Bar noch gleichzeitig am Laufen habe, habe ich meine Auslandgigs auf vier bis fünfmal im Jahr reduziert. Barcelona, Miami, Ibiza, Amsterdam, dort lege ich auf jeden Fall auf. Ich kann die Bar ja nicht auf Belieben zumachen, um ins Ausland zu gehen, immerhin habe ich dort mein ganzes Leben reininvestiert, weil ich keine halben Sachen machen wollte. Was hier in Karlsruhe fehlt, ist diese goldene Mitte, egal ob in der Musik, der Kultur oder in der Mode. Die Schere in der Gesellschaft wird immer größer, und das merken wir auch, was das Weggehen abends betrifft. Viele Läden legen auf Design und Gestaltung keinen Wert, Hauptsache die Musik ist laut genug. Hier gibt es wenig mit Stil und Qualität, dass man deswegen weggeht. Es gibt gute DJs in Karlsruhe, die es mit „learning by doing“ erreicht haben. Aber trotzdem habe ich festgestellt, dass viele Leute wenige Kenntnisse haben, was mixing angeht, da fehlt die ganze Kunstgeschichte dahinter. Bei uns in der Monk Bar arbeiten wir viel mit Platten, und versuchen stattdessen diese Kultur zu pflegen.

Hat sich dein Genre von den Anfängerjahren als DJ (1991?) bis heute verändert? Anfänglich war es hauptsächlich Deephouse, oder? Was legst du inzwischen auf?

Auf jeden Fall. Wenn du jahrelang dieselben Vocals gehört und gespielt hast, gehen sie dir irgendwann auf die Nerven. Deswegen brauch ich auch Sachen, nachdenkliche Sachen, die dich auf die Reise schicken, die Platz haben zum Denken. Ab und zu ein paar Texte, aber nicht die Standard-Themen, sondern auch politische und soziale Aussagen.

Du produzierst auch eigene Musik. Hast du aktuell gerade Projekte am Laufen?

Von meiner neuen Platte verspreche ich mir viel. Ich habe auch tolle Remixe dazugewonnen, zum Beispiel von Karim Sahraoui aus Madrid und von Eva Be/Cle aus Berlin. Die neue Platte wird „Jupiter-EP“ heißen und soll Anfang April erscheinen. Zwei Originale, drei Remixe. Das Cover gestalten Studenten der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Ich versuche immer, junge, kreative Leute miteinzubeziehen.

Kurz weg von der Musik und zu dir als Person: Du lebst nun seit fast 30 Jahren in Deutschland, kommst aber ursprünglich aus dem Iran. Welches Land verbindest du mit dem Begriff Heimat und wieso?

Jetzt bald sogar schon seit 31 Jahren. Gute Frage. Ich glaube Heimat ist genau da, wo du dich wohlfühlst, da habe ich mich glaube befreit. Es gibt natürlich deinen Geburtsort, und der bleibt auch und ändert sich nicht. Aber wenn man nach dreißig Jahren seinen deutschen Ausweis zeigt und es nur interessiert, wo man denn geboren sei, ist das rassistisch. Heimat kann überall sein, es ist ein sehr weitläufiger Begriff. Bei uns sagte man immer, Heimat ist da, wo man aufwächst, wo man die Bäume altern sieht. Für mich ist Heimat aber vielmehr ein Gefühl.

Du meintest, du hattest 1985 die Wahl, entweder nach Deutschland oder in die USA zu gehen. Bist du mit deiner Entscheidung immer noch zufrieden oder gab es als Momente, in denen du bereust, nicht in die USA gegangen zu sein?

Die Entscheidung, nach Europa zu gehen, war immer noch richtig. Der wichtigste Grund war, dass Familie in Deutschland hatte und somit einen Bezug zur Musik, Philosophie und Kultur. In den USA habe ich keine Kultur entdeckt, die mich gereizt hat. Alleine mit 17 nach New York zu gehen hätte mich nicht weitergebracht. Hier hatte ich Verwandte, die mich unterstützt haben. Ich habe es noch nie bereut, dass ich nach Deutschland und nicht in die USA gegangen bin. Im Herzen bin ich Europäer.

Wenn du jetzt auf dein Leben zurückblickst, gibt es etwas, dass du im Nachhinein lieber anders gemacht hättest?

Ja. Vielleicht hätte ich früher an meine Karriere denken und diese gleich mit einer Großstadt verbinden sollen, anstatt sie nur an Karlsruhe zu binden. Alle kleinen Projekte, die ich hier gemacht habe, haben zwar alle bewundert, aber alle haben auch immer gefragt „Wieso Karlsruhe?“. Aber hier ist meine Heimat geworden und wieso sollte ich nicht auch der Stadt eine Chance geben?

Und was ist für dich das Wichtigste im Leben?

Das Wichtigste ist glücklich sein. Und das kann auch mit wenig sein. Denn wenn man sein inneres Glück nicht findet, bringt einem alles Geld der Welt nichts. Glück ist für mich aber auch, wenn man seine Ziele erreicht hat und dass meine beiden Söhne stolz auf mich sein können.

Was sollten die Leute dafür deiner Meinung nach weniger ernst nehmen? 

Die gesellschaftlichen Konventionen, die vorgeschriebenen Befehle von oben. Die Menschen sollten stattdessen mehr ethisch handeln und selbst denken und nicht nach Vorschriften leben. Das würde uns allen guttun.

Jetzt würde es mich noch interessieren, was du am heutigen Deutschland ändern würdest, wenn du es könntest?

Mehr Toleranz und weniger Ego. Mehr Miteinander. Zuletzt habe ich eine Oma sagen gehört „Ich habe überhaupt nichts gegen die Ausländer, aber Tür zu Tür muss nicht sein“. Klar, natürlich haben wir politische Probleme, aber welches Land hat die nicht? Meiner Meinung nach ist das Karma. Wir verkaufen teure Waffen und dort werden Städte weggeballert. Wo sollen die Leute denn hingehen? Das sind mitunter deutsche Waffen, die all das verursachen. Viele müssen noch lernen, dass man Menschen nicht wie Tiere behandeln soll, sondern wie Menschen. Man unterscheidet immer noch zwischen „wir“ und „die Anderen“. Und das ist das große Problem am Rassismus. Dass die Leute denken sie seien besser als andere. Man muss sich gegenseitig respektieren und tolerieren, egal welche Religion, Herkunft und Hautfarbe.

Zurück zum Geschäftlichen. Seit eineinhalb Jahren (April 2016) hat die Monk Bar geöffnet, von der du der Inhaber bist. Was hat dich dazu veranlasst, eine neue Bar aufzumachen?

Alles ist auf eigenem Mist gewachsen (lacht). Nachdem ich erst in Karlsruhe gesucht und nichts gefunden habe, bin ich für zwei Jahre nach Berlin gegangen, habe dort gesucht und tatsächlich etwas gefunden. Als dort aber mein Partner ausgestiegen ist, habe ich einen Anruf von einem Freund von „Radio Oriente“ bekommen, dass er dieses verkaufen würde und ob ich Bock drauf hätte. Also bin ich wieder zurück nach Karlsruhe. Dort drin war aber seit Jahren nicht mehr renoviert worden, weshalb ich alles neu renoviert und gestaltet habe. Und das mit einer Mannschaft von zehn Leuten in sechs Wochen.

 

 

 

Welche Musik wird in der Monk-Bar gespielt?

Wir haben mittlerweile eine sehr breite Auswahl an Musik. Von Soul, Funk, Disco bis Swing, Live-Musik. Ab dem 18. Januar fangen wir mit After Work „Early Bird Groove“ Partys an, das heißt direkt ab 18 Uhr bis 19:30 Uhr gibt es dann Finger-Food und Aperitivo und im Anschluss wird direkt ein bisschen getanzt. Ein absolutes Highlight jetzt Anfang des Jahres ist Glenn Underground, eine Legende aus Chicago, der am 11. Januar spielen wird.

Und wie ist das Durchschnittsalter der Besucher? Eher Studenten? Oder doch eher Erwachsene?

Es herrscht ein total gemischtes Publikum. Teilweise ab 20, teilweise ab 30, teilweise ab 40, je nach Veranstaltung. Man kann nicht sagen, es sitzen „nur“ Studenten oder „nur“ Erwachsene drin, und das wollte ich auch nicht. Das finde ich immer noch schön, dass man so eine wilde Mischung hat.

Zu guter Letzt, passend zum neuen Jahr, noch die Standardfrage: Hast du dir für 2018 etwas vorgenommen oder hältst du von den ganzen Vorsätzen fürs neue Jahr nichts?

Doch, Ziele setzen finde ich immer gut. Ich möchte viele tolle Veranstaltungen machen, wie beispielsweise die After Art Party am 24. Februar. Auf die freue ich mich schon besonders. Und eine weitere tolle, neue Aufgabe erwartet mich, wenn ich die Idee mit einem eigenen Label weiter forciere, für das es jetzt Zeit geworden ist. Lasst euch überraschen.

Vielen Dank Shahrokh für das bereichernde Interview. Ich wünsche Dir für die Zukunft und für die Monk Bar nur das Beste!

 

Weitere Infos zu Shahrokh und der Monk Bar findet ihr auf den jeweiligen Facebook-Seite. Hier findet ihr zudem weitere Interviews und seinen Künstler-Steckbrief.

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