Dark Light

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.
Hermann Hesse

Mit viel Stolz, Freude und Rock ’n’ Roll ist das Substage in das neue Schlachthofgelände umgezogen. Der neue monolithische Bau, der an ein TV-Raumschiff der 90er Jahre erinnert, ist endlich fertig gestellt und eröffnet heute mit großen Erwartungen, seitens der Karlsruher Bürger, die Pforten. Wer draußen fremdelt, dem ist im Inneren des Baus Altes sicher: Das Flair des alten Substages bleibt erhalten. Der neue Bau bleibt „naturbelassen“ und puristisch, Rohre werden nicht verkleidet, Wände nicht überdesignt. Weiterhin liegt der Fokus auf der Förderung der ansässigen Musiker. Darüber hinaus kann jetzt auch vermehrt mit bekannteren Bands und Stars gerechnet werden. Schließlich gibt es eine bessere Akustik und Platz für 1000 Leute, die an einer 16m langen Theke versorgt werden können. Der ursprünglich reine Rockladen behält zwar seine Wurzeln, aber öffnet sich nun auch mehr für die Untergrund Szenen aus Hardcore, Hip Hop, Punk, Indie und Elektro. Wir dürfen also gespannt sein und freuen uns auf ein breites Spektrum an interessanten Bookings.

Durch das heutige Eröffnungsprogramm führt Olli Schulz, unterstützt von den Local Heros Granat (früher The Patricks) und The Puddnheads. In den Tagen danach gibt’s Alternative (Pothead), Mittelalter (Subway To Sally), Spock’s Beard (Progressive) und Tito & Tarantula (Texmex). Wir freuen uns drauf und Ihr Euch sicher auch.


Interview mit Vivien Avena vom Substage Rockrampe Karlsruhe e.V.

Wo ist das neue Substage genau?
Wir sind jetzt im alten Schlachthof, Richtung Oststadt, bei der alten Fleischmarkthalle gegenüber. Wir sind das einzige Gebäude, das nicht backsteinig ist, sondern eher schwarz, monolithisch.

Das Gebäude unterscheidet sich ja rein äußerlich von den anderen Gebäuden des Schlachthofgeländes. Gab’s ein Statement hinter diesem Aussehen des neuen Substages?
Es ging erst einmal gar nicht anders. Wir haben ein bestehendes Gebäude umgebaut. Der Lärm- und Schallschutz hat bedingt, dass wir ein anderes Gebäude gebraucht haben. Und da wir natürlich auch vom Budget her begrenzt waren, hat war das die Lösung, die uns am besten gefallen hat. Natürlich ist so ein schwarzer Klotz auch ein Statement, aber im Vordergrund standen die baulichen Gründe. Aber inzwischen geht’s uns so, dass wir uns freuen, wie’s aussieht.

Gab es denn auch Stimmen dagegen?
Das Echo ist ein bisschen zweigeteilt. Es gab Leute, die finden es super, weil es eben etwas monolithisches, monomentales hat und dann gibt es welche, die sagen, dass sie lieber ein schönes, altes Gebäude hätten. Es gibt auch einen Bebauungsplan, wo beispielsweise nur bestimmte Farben zugelassen sind. Schwarz war auch schon grenzwertig, daher ist das Gebäude auch eher braun/grau.

Das alte Substage war eher klein, gemütlich und einfach eine naturbelassene Unterführung. Welchen Charme hat denn jetzt das neue?
Innen haben wir es sehr roh gelassen, ähnlich der alten Location. Hier ist sehr viel nackter Beton, auch die Kacheln sind noch an den Wänden von der alten Schlachthalle. Das ist so, wie es auch schon in der Unterführung war: wir haben nicht viel rumdekoriert, sondern den Raum genutzt. Wir haben auch einiges mit in das neue Gebäude genommen. Es gibt eine große Installation die von einer Künstlerin der Kunstakademie gemacht wurde. Weitere Akzente werden durch Licht gesetzt und natürlich durch die Theke.

Stimmt, die längste Theke in Karlsruhe?
Ja, die ist wirklich verdammt lang. Das ist aber auch bedingt durch die räumlichen Kapazitäten. Wir können jetzt bis zu 1000 Personen in das Substage lassen. Aber es bleibt so heimelig oder muckelig.

Warum seid ihr umgezogen?
Es war schon sehr lange im Gespräch, das die Substage-Unterführung beim Bau der U-Bahn gebraucht wird. Als das konkret wurde, kam von der Stadt das Angebot, dass wir auf das Schlachthofgelände ziehen können.

Wie wird das Eröffnungsgramm aussehen?
Am Donnerstag wird der Eintritt frei sein, um den Leuten die Gelegenheit zu bieten, sich das neue Gebäude anzuschauen, ohne große Scheine zu zücken. Wir sind sehr froh, dass Olli Schulz kommt, der schon oft bei uns war. Er kommt solo. Wir finden ihn für den Rahmen sehr angemessen, denn er ist ein 1a-Entertainer. Er macht natürlich auch Musik an dem Abend, wird aber auch durch das Programm führen. Dann sind noch zwei Local Acts dabei. Es ist immer wichtig für uns, dass Bands aus Karlsruhe und der Umgebung ihren Platz finden. Das ist schließlich ein Schwerpunkt. Es spielen Granat, die Nachfolgeband der Patricks und die Puttnheads, eine ganz junge Band aus Karlsruhe.

Das alte Konzept wird also weiter gefahren, so dass auch die Lokalen Bands gefördert werden?
Absolut, das ist ja auch einer der Schwerpunkte in unserer Konzeption. Wir haben einmal im Monat die They Might be Stars-Reihe, wo lokale Bands ihre Plattform haben. Natürlich werden Karlsruher Bands auch als Support bei größeren Acts mitspielen können.

Wo wird das Substage sich dann jetzt hinentwickeln? Da ihr mehr Platz habt, könnt ihr ja jetzt auch größere Stars unterbringen.
Es wird so ein bisschen beides sein. Wir werden kein komplett neues Programm machen, da es immer bestimmte Sachen gibt, die funktionieren. Aber wir werden allein durch die Infrastruktur, die wir jetzt haben, wie Duschen im Backstage, Räumlichkeiten und Größe, andere Bands bekommen und auch größere, klar. Musikalisch sind wir breit gefächert und werden uns noch ein bisschen öffnen. Ich denke in Richtung Indie/Elektro, wo wir bisher nicht so viel gemacht haben. Da können wir noch sehen, was so gehen kann in Karlsruhe.

Hört sich doch super an. Gibt’s sonst noch etwas Neues?
Vielleicht, dass wir jetzt Fenster haben – und dann auch mal frische Luft reinlassen können. Nein, wir haben 20 Jahre sehr gut funktioniert und wollen nicht alles neu erfinden. Bewährtes soll weitergeführt werden und an bestimmten Ecken wollen wir neue Impulse setzen. Aber der Spirit von damals bleibt erhalten.

Werdet ihr oder werden wir das alte Substage vermissen?
Irgendwie schon. Ich war heute noch einmal wegen eines Interviewtermins im alten Substage. Das war schon seltsam. Als wir im Mai zugemacht haben, gab es schon sentimentale Augenblicke. Nicht nur für die Gäste, sondern auch für uns. Aber wir freuen uns natürlich auf die neue Halle und die neuen Möglichkeiten.

Vielen Dank für das Interview!

Bericht und Interview von Dorothea Reichert.

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