Dark Light
Was lange währt, wird endlich gut! Mars, auch bekannt als Mars of Illyricum, hat sich für sein aktuelles Album ein ganzes Jahrzehnt Zeit genommen und ein dementsprechend bemerkenswertes Werk abgeliefert. Seit gut zwei Wochen ist das Album „Zeitreisender“ auf dem Markt, das die persönliche und kreative Entwicklung eines Karlsruher Künstlers dokumentiert und jeden True School HipHop Fan begeistern wird. Tiefe, vielseitige Texte und fette Beats – das ist Rap! Aber überzeugt euch selbst.

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Was lange währt, wird endlich gut! Mars, auch bekannt als Mars of Illyricum, hat sich für sein aktuelles Album ein ganzes Jahrzehnt Zeit genommen und ein dementsprechend bemerkenswertes Werk abgeliefert. Seit gut zwei Wochen ist das Album „Zeitreisender“ auf dem Markt, das die persönliche und kreative Entwicklung eines Karlsruher Künstlers dokumentiert und jeden True School HipHop Fan begeistern wird. Tiefe, vielseitige Texte und fette Beats – das ist Rap! Aber überzeugt euch selbst.

Hi Mars!

Yo Melina. Hallo Karlsruhe.

Am 28. Oktober ist dein neues Album rausgekommen, an dem du 10 Jahre gearbeitet hast. Wie fühlt sich das an?

Es waren 11 Jahre, genau genommen :). Ich bin sehr froh und erleichtert, dass es jetzt draußen ist, es genau so klingt wie ich das haben wollte und dass ich bisher gute Nachfrage und Feedback bekommen habe. Ich freue mich auch, mit diesem Album wieder eine LP auf Vinyl gemacht zu haben, was dem Ganzen für mich etwas Nachhaltiges gibt.

Warum hast du dir für das Album so viel Zeit gelassen? Wie war der Entstehungsprozess?

Was man auf dem Album hört, ist das Ergebnis einer langen Auslese und Neuüberdenkens von Texten und Beats. Ich habe es gefühlt viermal geschrieben, jetzt fühlt es sich gut und rund an und ich bin mit jeder Zeile und jedem Sound im Reinen. Dafür 10 Jahre zu verwenden finde ich eigentlich gar nicht so viel. Natürlich gibt es aber auch ganz profane Gründe, mittlerweile bin ich ja keine 23 Jahre mehr, da standen im Privaten wie Beruflichen viele Veränderungen an. So habe ich nicht mehr wie beim letzten Album ein paar Jahre intensiv an einem Ort daran arbeiten können. Was aber konstant blieb, und dafür bin ich sehr dankbar, ist dass es viele Freunde gibt, die mich dabei ermutigt und unterstützt haben das Album durch zu ziehen. Ob durch das Beisteuern von Beats, Kritik am Inhalt und Sound, Snippet, Artwork oder letztlich durch Veröffentlichung des Albums selbst, wie im Falle von Rheimland, die den Release der Platte zum Anlass nahmen auch als Label tätig zu werden, all das hat maßgeblich zur Entstehung beigetragen.

Was würdest du sagen, wie hat sich deine Musik in den letzten 10 Jahren verändert?

Ich versuche zeitlose Rapmusik zu machen. Dahin zu kommen ist ein ständiger im Prozess der Veränderung in kleinen Schritten. Das ist eigentlich wie mit dem Älterwerden, man entwickelt sich weiter, bleibt aber der gleiche Typ. Ich bilde mir ein die Stimme klingt jetzt erwachsener und die Beats sind etwas vielschichtiger produziert. Außerdem ist das Gesamtkonzept auf diesem Album nochmal runder.

Hast du Künstler als Feature auf dem Album?

Ja, Arthur Rayden von Illyricum ist dabei. Mit Arthur bin ich schon seit 1997 unterwegs, uns verbindet neben einer langen Freundschaft der Anspruch, Texte mit poetischer Ausdrucksweise und Fundament zu schreiben. Auf dem Album haben wir diesmal vorrangig auf das Fundament abgezielt und mit „Back to Beton“ einen für Illyricum-Verhältnisse sehr direkten Representtrack geschrieben. Keon habe ich ebenfalls mit drauf, der eigentlich auch schon länger in Karlsruhe unterwegs ist, unsere Wege haben sich aber erst vor ein paar Jahren gekreuzt. Keon bringt aus meiner Sicht das Gefühl von innerem Widerstand gegen die „Falschheit“ in der Gesellschaft gepaart mit Schwermut und Wut zu Papier wie wenige andere. Weil Hiphop für mich auch stets Widerstand gegen den Mainstream war und ist, haben wir uns sehr gut ergänzt auf dem gemeinsamen Song. Zu guter Letzt habe ich dann mit DJ Crypt auch meinen Live DJ und einen der besten Homies aus der Stuttgartzeit mit Scratches auf dem Album gefeatured.

Welche Künstler hörst du im Moment selbst gerne?

Momentan höre ich hauptsächlich meine Tochter schreien. Daneben gibt es dann Verrückte Hunde, Messer & Gabel, Ceschi, DJ Scientist… das wären so die aktuellsten. Ich bin eher zurückhaltend was die Aufnahme neuer Künstler in meine persönliche Playlist angeht. Dauerhaft festgesetzt haben sich bei mir aber z.B. People under the Stairs oder Kinderzimmer Productions. Auch wenn es letztere nicht mehr gibt, das sind Rapgruppen, die von Anfang an eine vom Mainstream abweichende eigene Persönlichkeit und Vorstellung davon hatten wie ihr Sound zu klingen hat und das konsequent durchziehen. Ich bin wahrscheinlich mehr an Texten als an Musik im klassischen Sinne interessiert, drum höre ich auch Rap. Wenn aber ein Nicht-Rapper mit nem guten Text kommt bin ich davon auch meistens Fan.

Sag mal was zum Titel, was bedeutet der für dich?

Der älteste Song auf dem Album heißt „Zeitreisender“, den habe ich geschrieben und aufgenommen in der Zeit während ich auf die Pressung meines ersten Albums gewartet habe. Für mich klingt der aber immer noch frisch als hätte ich ihn gestern aufgenommen, so gesehen ist er selbst durch die Zeit gereist und ich mit ihm. Also lag es auf der Hand das Album genauso zu nennen. Außerdem zieht sich das Thema Zeit im Sinne von Veränderung oder Beständigkeit unterschwellig durch fast alle Songs, macht also einen nicht unerheblichen Teil des Konzepts aus. Dieses Konzept hätte ich so aber nie vorher auf am Reißbrett planen können, es hat sich wie das meiste bei mir aus dem Gefühl heraus ergeben.

Bei unserem letzten Interview mit dir, das war glaube ich vor sechs Jahren, hast du in Stuttgart gewohnt und standest mit einem Bein im Berufsleben. Wie sieht dein Leben heute aus?

Ich bin wieder nach Karlsruhe gezogen, was mir in Bezug auf das Album nochmal einen richtigen Schub zum Ende hin gegeben hat, aber mir auch familiär und für das persönliche Umfeld viel gegeben hat.

Arbeitest du aktuell noch mit der Südwestwind Crew zusammen? Und wie sieht’s mit deinen Illyricum-Partnern aus?

SWW hat sich aufgelöst. Mit Illyricum wird es weitergehen, darum trage ich das „of Illyricum“ in meinem Namen auch nach Jahren weiter mit, es ist musikalisch gesehen meine Herkunft. Das was kommt wird inhaltlich aber ein anderes Illyricum sein als jenes was vor 13 Jahren existierte. Was immer noch ansteht ist eine EP-Veröffentlichung mit Arthur Rayden und mir als Rapper, darauf werden die Ursprünge der Illyricumtempelinschriften aus aktueller Sicht neu beleuchtet, der Sound ist eher ein düsterer im Vergleich zu den bisherigen Illyricum- und Mars-Sachen.

Gehst du auch auf Tour? Und wird es Live Auftritte in Karlsruhe geben?

Nein, eine eigene Tour ist nicht geplant, nur Einzelauftritte. Die nächsten sind am 25.12. in Heidelberg auf der alljährlichen 360Grad Winterjam, und in Karlsruhe am 14.1., als Toursupport von DJ Mirko Machine & Spax / Die Profis. Im kommenden Jahr stehen noch ein paar Auftritte an, die meisten orientieren sich bisher in Richtung Süden, aber vielleicht wird es mich ja auch nochmal in den Norden oder Osten ziehen, wer weiß.

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Wo und in welchem Format kann man dein Album kaufen?

Das Album ist zunächst auf LP, also Vinylschallplatte, erschienen. Eine CD wird es nicht geben, dafür sind aber bei jeder Platte mp3-Codes dabei.
In Karlsruhe lässt sich diese z.B. in den Plattenläden DisCover Records oder StudioEins Records kaufen. Ansonsten läuft der meiste Verkauf im Internet über die Mailorder 360Grad, HHV, Vinyldigital… Der Preis dafür ist, ob vor Ort oder im Netz, überall etwa gleich. Als Karlsruher würde ich jetzt spontan zu einem der Läden gehen, dort kann man auch reinhören. Wer dennoch zu lauffaul ist, kann sich einen kleinen Vorgeschmack anhand des Snippets, das DJ Crypt gemixt hat, holen.

Eine reine mp3-Version wird es wahrscheinlich auch noch geben, aber erst zeitverzögert. In jedem Fall dann aber auf meiner Webseite www.marsmusik.de bzw. marsmusik.bandcamp.com. Außerdem habe ich seit kurzem auch eine Facebookseite, da auch.

Und wie geht es nach dem Album weiter, was steht an?

Erstmal Liveauftritte, gerade jetzt mit den neuen Songs im Gepäck. Aber auch Freestyle reizt mich wieder mehr denn je. Der krampfhafte Contest, den es eine Zeit lang im Freestyle gab und der das Ganze aus meiner Sicht auch gelähmt hat, hat sich mittlerweile auf andere Bereiche im Rap verlagert, was ich ganz gut finde. Jetzt ist wieder Raum da für freie Improvisation, und da hab ich Bock drauf, Freestyle als künstlerische Ausdrucksform statt als Sport, das will ich wieder stärker auf die Bühne bringen. Was Veröffentlichungen angeht bin ich gerade sehr offen. Irgendwann wird es nochmal eine thematische EP geben, die ich schon länger plane, aber dazu mehr wenn es soweit ist.

Alles klar, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit deinem Album!

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