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Es handelt sich um das Festival für Interkultur in Karlsruhe, welches interKArt e.V. am letzten Septemberwochenende 2017 auf die Beine gestellt hat. Das breite Veranstaltungsangebot reichte von Konzerten, Workshops, Fußball bis hin zu zwei Podiumsdiskussionen und einer Theateraufführung, die alle dasselbe Ziel innehatten: das Zusammenkommen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu fördern. Um sich mit dem Thema Flucht und mit den Menschen, die das betreffen, auseinanderzusetzen. Um Vorurteile zu überdenken und stattdessen dem Neuen offen entgegenzukommen. Um toleranter zu werden. Und vor allem, um neue Freundschaften zu schließen.

Es handelt sich um das Festival für Interkultur in Karlsruhe, welches interKArt e.V. am letzten Septemberwochenende 2017 auf die Beine gestellt hat. Das breite Veranstaltungsangebot reichte von Konzerten, Workshops, Fußball bis hin zu zwei Podiumsdiskussionen und einer Theateraufführung, die alle dasselbe Ziel innehatten: das Zusammenkommen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu fördern. Um sich mit dem Thema Flucht und mit den Menschen, die das betreffen, auseinanderzusetzen. Um Vorurteile zu überdenken und stattdessen dem Neuen offen entgegenzukommen. Um toleranter zu werden. Und vor allem, um neue Freundschaften zu schließen.   

Hinter dieser großartigen Idee, „Menschen aus Karlsruhe aus unterschiedlichen sozialen Milieus auf Veranstaltungen zusammenzubringen, um so die gesellschaftlichen Wirklichkeiten positiv zu beeinflussen“, steht interKArt e.V. – ein Verein, den es erst seit Januar dieses Jahres gibt. Doch dieses halbe Jahr hat gereicht, um den Grundgedanken des Vereins auf einem mehrtägigen Festival in die Tat umzusetzen. Denn interKArt steht für „interkulturell, Karlsruhe und Art“ und setzt sich vor allem dafür ein, der Abschottung, die in der Gesellschaft zurzeit immanent ist, entgegenzuwirken, indem sie Veranstaltungen schaffen, die ein breites Publikum ansprechen und so den Dialog und das Interesse zwischen den Menschen fördern.

 

 

Für interKArt e.V., die zuvor nur kleinere Veranstaltungen – eine Party in der Dorfschenke, zwei Zusammenkommen im COLA TAXI OKAY und ihr Eröffnungskonzert im Tollhaus – organisiert hatten, galt das Festival, welches gleich über mehrere Tage hinwegdauerte, als Herausforderung, welche sie mit voller Bravour gemeistert haben. Sie haben nicht nur tolle Programmpunkte auf die Beine gestellt, die jedes Alter und jede Kultur angesprochen haben, sondern haben vor allem darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es ist, sich gegenseitig mit Interesse, Respekt und Offenheit zu begegnen, und das wertzuschätzen, was einige Menschen in einer schwierigen politischen Zeit geleistet haben.

Ein erster Schritt hierfür ist es, das Individuum in den Vordergrund zu stellen – und sich nicht an gewissen Zuschreibungen wie Religion, Nation, Ethnie und Kultur bedienen, die durch unsere Sprache unsere gesellschaftliche Wirklichkeit manifestieren. Indem man den Fokus auf das Individuum setzt und die genannten Zuschreibungen ausblendet, wird einem bewusst, dass es sich hierbei um Menschen handelt, die einen Namen haben, soundso alt sind, diese und jene Hobbys haben. Dass sie in ihrer Vergangenheit aus einem Land geflohen sind, in dem das Leben gefährlich ist, rückt hierbei in den Hintergrund und wird zu einem einzigen Puzzleteil. Dieser eine, spezielle Mensch setzt sich jedoch aus mehr als nur diesem einen Puzzlestück zusammen. Anstatt sich als erstes zu fragen, aus welchem Land mein neues Gegenüber kommt, könnte man nach gemeinsamen Interessen fragen. Sich zusammensetzen, gemütlich etwas trinken und sich hierbei unterhalten, können nämlich alle Menschen, egal woher sie kommen.

Wer sich als Einzelperson engagieren will, was Integration angeht, der kann das in ganz verschiedenem Maße tun. Er kann Vereinen oder Initiativen beitreten. Er kann aber auch einfach schauen, wie er durch die Welt geht und den Menschen gegenübertritt. Er kann sich überlegen, wieso er gewisse Vorurteile hat und diese dann hinterfragen. Denn oft sind ebendiese Vorurteile nur die Angst vorm Unbekannten, vorm Neuen, vorm Fremden.“ Es ist unbestritten, dass Integration eine der schwierigsten Aufgaben jeder Gesellschaft ist, denn hierbei handelt es sich um einen Prozess, der von beiden Seiten aus gehen muss. Geflüchtete Menschen in eine neue Gesellschaft zu integrieren, deren Sprache und Kultur ihnen fremd ist, ist genauso wichtig, wie die Menschen hier in die neue Situation zu integrieren. Denn auch Vorurteile können beiderseitig aus vorhanden sein. Das Schöne an Vorurteilen ist ja aber, dass die Urteile vorschnell sind, was impliziert, dass sie sich nicht bestätigen müssen, sondern widerlegt werden können.

Jetzt aber zum eigentlichen Festival. Den Startschuss bildeten die Eröffnungskonzerte von Musaik und Contrast Orange am Freitagabend, denn „Musik kennt keine Grenzen und ist die universale Sprache aller Menschen“. Zuerst wurden die Zuhörer von zwölf Musikern in neue Klangwelten eingeführt, deren weltmusikalischen Einflüsse von der anschließenden Balkan-Funk-Band ergänzt wurden, die in der Fettschmelze, bei der interKArt das  gesamte Wochenende zu Gast war, ordentlich Stimmung gemacht haben. An diesem Abend wurde es vermieden, in eine Richtung zu fahren. Stattdessen ließ man verschiedene Kulturen und verschiedene Stilrichtungen zusammentreffen.

Am Samstagvormittag fand ein Fußballturnier auf dem Schlachthofgelände statt, an dem „nicht Mannschaften, sondern Menschen teilnehmen. Unabhängig von fußballerischem Talent, Herkunft, Sprache oder Geschlecht entstanden aus Individuen Teams, die im Laufe des Turniers ein Kollektiv wurden“.

 

InterKick vermittelte auf spielerische Art und Weise, wie einfach Integration gelingen kann. Denn auch beim gemeinsamen Fußballspielen ist es nicht wichtig, woher die Leute kommen oder welche Vergangenheit sie mit sich bringen. Hauptsache sie können mit dem Ball umgehen.
InterKick vermittelte auf spielerische Art und Weise, wie einfach Integration gelingen kann. Denn auch beim gemeinsamen Fußballspielen ist es nicht wichtig, woher die Leute kommen oder welche Vergangenheit sie mit sich bringen. Hauptsache sie können mit dem Ball umgehen.

 

Bei der gleichzeitig stattfindenden Podiumsdiskussion interTalk ließ interKArt e.V. vier Menschen zu Wort kommen, die aktiv von dem Thema Flucht betroffen waren oder die in der Flüchtlingshilfe engagiert sind. Zwei berichteten von ihrer Flucht in den 80er Jahren bzw. während der Flüchtlingswelle 2014 durch arabische Länder, das Mittelmeer und europäische Länder. Obwohl es beiden zunächst schwer fiel, Deutschland nun als neue Heimat anzusehen, da ihnen die Sprache und die Kultur fremd waren, sehen sie Deutschland heute gerne als zweite Heimat an. „Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass eine Gesellschaft einen Menschen wie mich, der in Not war, so eine Möglichkeit gegeben hat, dass ich hier eine neue Existenz aufbauen kann. Dafür bin ich sehr dankbar, und das macht auch meine Verbindung zu Deutschland so stark“. Der Iran und Syrien bleiben aber wohl immer die erste Heimat. Dorthin zurück wollen beide jedoch nicht – dafür müsste sich dort erst einiges verändern und entwickeln.

Gerade aber durch das das Verbundenheitsgefühl zu zwei Heimaten lassen sich Unterschiede zwischen beiden Kulturen feststellen. In Syrien beispielsweise sind sich die Menschen sehr nah und sehr offen zueinander, was die Leute hier kalt und distanziert wirken lässt. Kamen während des Irak-Kriegs viele Iraker nach Syrien, wurde dort nicht gesagt „Du bist Iraker“ oder „Du bist Flüchtling“, stattdessen wurde ihnen ein neues Zuhause geboten, ohne Zuschreibungen: „Wenn ihr jetzt gerade kein Zuhause habt, ist unser Zuhause auch euer Zuhause, wir teilen alles was wir haben. Wir leben einfach weiter, bis der Krieg endet.

Dass es gerade jetzt wichtiger ist denn je, mit Geflüchteten gemeinsam zu arbeiten, ein Miteinander zu schaffen, zeigten Jochen Pietschmann und Jasmin Sahin, die beide in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Bei Jochen handelt es sich um einen Realschullehrer, der festgestellt hat, dass seine Schüler starke Vorbehalte gegenüber syrischen Flüchtlingen hatten, was ihn dazu verleitete, einen Projekttag ins Leben zu rufen, bei dem Flüchtlingskinder aus einer Unterkunft in Durlach in die Schule eingeladen wurden, um gemeinsam Aktivitäten durchzuführen und so die Vorurteile abzubauen. Heute leitet er eine Theater-AG, bei der sich Schüler mit Flüchtlingskindern zusammen tun, damit Grenzen abgebaut werden. Seine Schule steht auch in Kooperation mit Jasmins Lernfreunde-Haus, dass sie 2016 als eine Art Schule für Flüchtlingskinder gegründet hat, nachdem sie selbst als Kind im Alter von sechs Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und ohne Deutschkenntnisse in eine deutsche Schule eingeschult wurde.

Was bei diesem Gespräch sehr stark aufkam, war die Schublade, in der die Geflüchteten oft allesamt gesteckt werden. „In jeder Gesellschaft gibt es Leute, die sich schlecht verhalten, aber ist es ein deutscher Junge, ist es, weil er unerzogen ist. Verhält sich jedoch ein ausländischer Junge schlecht, ist es, weil er ein Ausländer ist.“ Viele Menschen sehen aber immer nur diese Minderheit, die sich falsch verhält – wobei sich über die Begriffe richtiges und falsches Verhalten gerne streiten lässt, denn wer sagt, dass sich jeder Deutsche „richtig“ verhält? Die Menschen, die jedoch fleißig die Sprache lernen, die eine Ausbildung beginnen und dafür arbeiten, sich in einem fremden Land mit einer fremden Kultur eine neue Existenz fernab der Familie und dem Bekannten aufzubauen, werden nicht wahrgenommen, was das Leben für die Geflüchteten unheimlich erschwert. Deshalb in Zukunft erst einmal auf sich selbst schauen, bevor man mit offener Hand auf andere zeigt.

 

In der großartigen Location der Fettschmelze im Hintergrund die Bühne mit den Gästen, vorne die Zuschauer. Ein interaktives Gespräch, das unter die Haut ging - jeder konnte seine Fragen loswerden.
In der großartigen Location der Fettschmelze im Hintergrund die Bühne mit den Gästen, vorne die Zuschauer. Ein interaktives Gespräch, das unter die Haut ging – jeder konnte seine Fragen loswerden.

 

Zurück im Programm. Nachmittags fanden in der Musikhochschule verschiedene Workshops statt – von Rollen- und Improvisationsspielen beim Theater-Workshop bis hin zum gemeinsamen Musizieren mit Perkussionsinstrumenten wie Cajon oder Bongo oder Salsa-Tanzen – die alle zahlreich besucht waren und unterschiedlichste Leute aneinander brachten. Denn wenn die Leute in den Pausen angefangen haben, sich auszutauschen und danach sogar noch zusammen essen gegangen sind, ist das Ziel dieser Workshops geglückt.

Anschließend wurde bei interAct das selbst entwickelte Theaterstück „[K]eine Ahnung von Heimat.“ aufgeführt. Die Thematiken der aktuellen gesellschaftlichen Situation, des Heimatbegriffs und das Mysterium des Fremden wurden von den Schauspielern in diesem interaktiven Stück verarbeitet und bezogen das Publikum in die Aufführung mit ein, sodass eine außergewöhnliche Stimmung erzeugt wurde. Den Abend ließen dann alle gemeinsam bei einer Party in der Fettschmelze ausklingen, wo Shahrokh Dini und Edu Buscholl auflegten, „um gemeinsam mit ihrer Musik Menschen in Bewegung zu bringen, denn mit Bewegung fängt alles an – wer sich bewegt, hat Spaß – wer Spaß hat, kennt Freude – wer Freude kennt, kann Lieben…“.

 

Das Finale der Theateraufführung "[K]eine Ahnung von Heimat", das von der Theaterpädagogin Daniela Kastner und ihrer Theatergruppe initiiert wurde.
Das Finale der Theateraufführung “[K]eine Ahnung von Heimat”, das von der Theaterpädagogin Daniela Kastner und ihrer Theatergruppe initiiert wurde.
Von links nach rechts die drei Vorstände Markus Widmaier, Jonas Völker und Kian Jazdi.
Von links nach rechts die drei Vorstände Markus Widmaier, Jonas Völker und Kian Jazdi. Konfetti und ausgelassene Stimmung.

 

Sonntagmittags fand die zweite Podiumsdiskussion im Biergarten der Fettschmelze statt, bei dem verschiedene Vertreter von verschiedenen Religionen eingeladen wurden, um über Toleranz in ihrer jeweiligen Schrift zu reden, aber auch, wie persönlich Toleranz geschafft wird und wie ihnen im Alltag Toleranz und Intoleranz begegnet. Schlussendlich waren sich alle einig, dass es wichtig ist, seinen Kindern beizubringen, einen Glauben zu haben, dass man sich aber nicht anhand des Glaubens von anderen abwenden darf. Denn der Glaube schafft keinen Unterschied zwischen den Menschen. Bei Kaffee und internationalen Leckereien ließ man das Festival gegen Sonntagnachmittag ausklingen.

Das gesamte Festival verlief auf Spendenbasis und spiegelt das ganze Konzept des Vereins wieder: „Hier reden wir miteinander und unterstützen uns gegenseitig. Wer mehr hat, unterstützt den, der weniger hat, und dafür unterstützt der, der weniger hat, wenn er mal mehr hat, wieder jemand anderen“. Zukünftig soll einmal im Jahr das ZwischenRäume-Festival stattfinden, das sie ähnlich wie dieses Jahr, aber auch ein bisschen anders gestalten wollen. Immerhin ist die Art Probelauf dieses Jahr mehr als geglückt. Am 12. Januar 2018 findet zuvor jedoch noch das zweite Zwischenklänge-Konzert im Tollhaus statt, um das Einjährige Jubiläum des Vereins zu feiern. Erwarten kann man große musikalische Freunde und ein Abend mit vielen Special Guests und einer ausgelassenen Stimmung.

InterKArt e.V. bedankt sich für ein gelungenes Festival bei der wahnsinnig großen Hilfe vom Team, bei Soup du Jour e.V. für das Versorgen aller mit leckerer Suppe, bei den Mitarbeitern des COLA TAXI OKAY, die das ganze Festival über ihre Arbeit informiert haben, bei den zahlreichen Verlägen, die eine Leseinsel zum Thema Flucht und Heimat gesponsert haben und beim Kulturbüro Karlsruhe, auf dass sie sich immer wieder verlassen können.

 

Die Mitarbeiter des COLA TAXI OKAY, einem Kultur- und Projektraum im Zentrum von Karlsruhe, der ein Treffpunkt von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und jeden Alters bietet, um sich gegenseitig auszutauschen.
Die Mitarbeiter des COLA TAXI OKAY, einem Kultur- und Projektraum im Zentrum von Karlsruhe, der ein Treffpunkt von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und jeden Alters bietet, um sich gegenseitig auszutauschen.
Die Leseinsel zum Thema Flucht und Heimat, gesponsert von zahlreichen Verlägen.
Die Leseinsel zum Thema Flucht und Heimat, gesponsert von zahlreichen Verlägen.

 

Wer nun der Meinung ist, dass interKArt e.V. tolle Sachen machen und diese gerne unterstützen würden, kann dies durch eine Fördermitgliedschaft gerne tun.. Aber auch bei einzelnen Veranstaltungen kann jeder, der Lust hat, mithelfen. Generell setzt sich der Verein aus einem Mitgliederstamm von 15 Leuten und darunter den drei Vorständen Kian Jazdi, Markus Widmaier und Jonas Völker zusammen.

Anstatt Angst vor den Schwierigkeiten zu haben, die eine neue Gesellschaft mit sich bringt, die nun aus vielen verschiedenen Kulturen besteht, sollte man sehen, dass es stattdessen interessant werden kann. Wenn man jedem offen und tolerant begegnet, lernt man so viel Neues kennen, und entdeckt aber auch unendlich viele Gemeinsamkeiten.

 

Weitere Infos zu interKArt e.V. findet ihr auf Facebook, auf Instagram oder auf ihrer Homepage. Wer den Verein mit einer Fördermitgliedschaft oder bei einzelnen Veranstaltungen unterstützen möchte, kann sich auch gerne direkt per Mail an sie wenden: info@interkart-ev.de.

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