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Hätten wir nicht alle mehr davon, wenn wir das Leben in Karlsruhe aktiv mitgestalten? „Doch!“, sagen die Jungs und Mädels vom „die Anstoß e. V.“

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Karlsruhe ist auf den ersten Blick in Sachen Freiräume und Kulturleben leider nicht die erste Adresse. Viele junge Menschen sehen die Stadt als Durchlauferhitzer für ihr Studium, um im Anschluss in die weite Welt zu ziehen. Doch hätten wir nicht alle mehr davon, wenn wir das Leben in der Stadt aktiv mitgestalten? „Doch!“, sagen Norina Quinte, Lisa Kuon und Benedikt Stoll vom „die Anstoß e. V.“ Norina ist eines der zehn Gründungsmitglieder des Vereins. „Wir können uns hier echt eine geile Stadt aufbauen“, sagt sie. Der Verein besteht aus Studierenden verschiedener kreativer Fachrichtungen, wie Kommunikationsdesign, Musik, Architektur, Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften und Ausstellungsdesign. Gemeinsam haben sie sich auf die Flagge geschrieben, eine junge und unkonventionelle Kreativszene in der Stadt zu etablieren. Sie wollen neue Verknüpfungspunkte schaffen und die Zwischenräume der Stadt sichtbar machen: sozial, kulturell und räumlich. Neue Orte des Austauschs sollen in der ganzen Stadt entstehen, um generations- und themenübergreifend ein neues Gemeinschaftsgefühl in Karlsruhe zu erzeugen.
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Ein Zeichen dafür, dass sie es ernst meinen, war bereits die Vereinsgründung. Jeder, der sich schon mal in dieses bürokratische Labyrinth gewagt hat, weiß, was das für einen Aufwand bedeutet. „Dabei war der Weg bisher nicht einfach, wir mussten auch erstmal für uns definieren, was wir eigentlich wollen“, so Benedikt Stoll. Benedikt ist der Initiator des Projektes. Er hat während seines Architekturstudiums die Chancen genutzt und Kurse an der Hochschule für Gestaltung (HFG) belegt, um seinen Horizont zu erweitern. Das war der Beginn der Vernetzung. „Wir begreifen uns mehr als Beginn und Zentrum, mit der Zeit wollen wir eine Anlaufstelle für kreative Projekte werden.“ Kein einfaches Unterfangen in einer Stadt, die jeden Schritt reglementiert und nur wenig Freiräume für kreative Entwicklungen lässt. Das haben auch die Vereinsmitglieder bei ihrer Suche nach einem festen Standort gespürt. „Es gab dann immer wieder Bedenken, weil die Menschen denken, die jungen Leute werfen nur ihre Kippen überall hin, sind laut und trinken Bier“, berichtet Lisa. „Wir hoffen, dass sich die Mentalität durch die von uns initiierten Projekten ändert!“ Eines dieser Projekte wurde bereits umgesetzt. Vor Kurzem fand in der Günther-Klotz-Anlage anlässlich des internationalen „Restaurantdays“ ein Burger-Grillen statt. Eingeladen war jeder. „Es kamen auch Senioren, Jogger und Spaziergänger vorbei. Das hat uns gefreut“, so Norina.

Dieses Jahr organisiert „die Anstoß e. V.“ zum ersten Mal die Veranstaltung „Werders Wohnzimmer“ am Samstag, den 02.08.2014 von 16-21 Uhr. Ausstellungsort ist der Werderplatz im Herzen der Südstadt, der zu einem Rundgang umfunktioniert wird. In Privatwohnungen, Ateliers und anliegenden Ladenlokalen finden Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Perfomances statt. Kunst und Alltag vermischen sich. „Unser Ziel ist es Kunst nicht als rein elitäres Konsumgut wahrzunehmen. Alle sollen sich eingeladen fühlen, daran teilzunehmen“, erklären Norina und Lisa, die die kuratorische Leitung der Veranstaltung übernehmen. Im Gegensatz zu den Vorjahren, als der „Werders Wohnzimmer e. V.“ die Veranstaltung organisierte, haben Lisa und Norina eine erweiterte Ausschreibung initiiert. „So hatten wir die Möglichkeit aus über 70 Bewerbungen bewusst auszuwählen“, so Lisa. So werden in diesem Jahr zum ersten Mal nicht ausschließlich Karlsruher Kunstschaffende vertreten sein, zum Beispiel sind unter anderem die Künstler Netta Weiser (Tel Aviv) und Mira Hirz (Berlin) mit von der Partie. Damit es möglich war Kosten der Künstler zu erstatten, hat sich der Verein Sponsoren mit ins Boot geholt. „Wir möchten einen Einblick in die zeitgenössische Kunstszene bieten“, erzählt Norina. Im Zentrum des Platzes wird ein Pavillon des Vereins stehen, hier kann man sich Flyer und Infos zur Organisation und der Veranstaltung einholen.

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Auch in Zukunft sind viele spannende Projekte geplant. So erzählt Benedikt, dass zum Stadtgeburtstag ein Kulturprogramm auf den Dächern Karlsruhes geplant ist. „Auf insgesamt drei Dächern sollen über drei Monate hinweg außergewöhnliche Orte für Kultur und Austausch entstehen.“ Wer mit seinen Ideen so hoch hinaus will, kann letztlich nur gewinnen. Wir freuen uns über den frischen Wind in der Stadt und erwarten die kommenden Projekte von „die Anstoß e. V.“ mit Spannung.

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Links:
die Anstoß e. V.
Werders Wohnzimmer
Werders Wohnzimmer 2014 Flyer

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