Dark Light
Seit Jahren sind Roman und Vadim schon als DJs in der Kalrsruher Clublandschaft unterwegs. Sie produzieren selbst Tracks, hören sich durch Stapel von Vinyls. Jetzt nehmen sie es selbst in die Hand und gründen ein eigenes Label mit dem Namen “Soul Estate”. Im Interview haben wir mit ihnen über das Handwerk, die Szene und die Zukunft unterhalten:

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Seit Jahren sind Roman und Vadim schon als DJs in der Karlsruher Clublandschaft unterwegs. Sie produzieren selbst Tracks, hören sich durch Stapel von Vinyls. Jetzt nehmen sie es selbst in die Hand und gründen ein eigenes Label mit dem Namen “Soul Estate”. Im Interview haben wir mit ihnen über das Handwerk, die Szene und die Zukunft unterhalten:

Woher kam die Idee des eigenen Labels?
Die Idee kam uns Ende letzten Jahres, bei ein paar Bier. Wir kannten uns noch gar nicht so lange, hatten aber in Bezug auf Musik, ähnliche Vorstellungen und Wünsche. Wir wollten beide, nicht nur unsere eigene Musik veröffentlichen, sondern auch die Musik von anderen Künstlern herausbringen. Dabei wollten wir unabhängig bleiben, um keine Kompromisse eingehen zu müssen. Medium, Gestaltung, Vermarktung – wir wollten alles selbst bestimmen. Die Idee hat gefruchtet und irgendwann gab‘s kein Zurück mehr.

Was ist die Philosophie hinter dem Namen “Soul Estate”?
Der Begriff besteht ja aus zwei Teilen: Einerseits „Soul“, also die Seele, wir möchten Musik herausbringen, die bewegt, eben etwas fürs Herz ist. Andererseits mögen wir Vielfalt – ein Haus, also das „Estate“ stellt das für uns dar. Ein Anwesen mit vielen unterschiedlichen Räumen, die für verschiedene Musikstile und Künstler stehen.

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Habt ihr schon einen festen Künstlerstamm im Visier, wohin soll die Reise gehen?
Wir haben schon ein paar Künstler im Auge von denen wir gerne Musik veröffentlichen wollen. Allerdings denken wir, dass so etwas sich mit der Zeit geben wird. Daher wissen wir noch nicht wohin die Reise gehen wird. Wäre ja auch langweilig.

Und wo soll es vom Sound her hingehen?
Die erste Platte ist schon sehr House-orientiert und es wird sicher noch einige Veröffentlichungen dieser Art bei Soul Estate geben. Wir möchten uns aber auf jeden Fall nicht nur auf eine Musikrichtung beschränken. Es muss einfach nur in unser Gesamtkonzept passen und sich gut anfühlen.

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Released ihr digital oder Vinyl?
Das erste Release (Anm.d.Red.: Welcome To The Soul Estate EP) bleibt zunächst Vinyl-exklusiv, aber wir können uns gut vorstellen, in einigen Monaten eine digitale davon Version rauszubringen. Das lassen wir uns aber noch offen. Außerdem soll es noch andere digitale Releases geben und vielleicht bringen wir auch mal eine CD raus.

Warum ist das Gefühl von Vinyl so wichtig? Seid ihr Fans des Anfassens?
Es ist eine bewusste Wertschätzung. Man hat das Gefühl etwas zu besitzen. Etwas, das man anschauen, anfassen und auch anderen Leuten zeigen kann. Das Musikhören bekommt dadurch auch wieder einen ganz anderen Stellenwert. Man sucht die Platte aus, erfreut sich am Design, packt sie aus der Hülle, legt sie auf den Plattenspieler und drückt auf Play. Das ist etwas, das uns in der digitalen Welt fehlt.

Geht’s dabei ums gute alte Handwerk?
Natürlich auch. Wenn man sich nur mal das Auflegen anschaut und den Kontrast zwischen digital und analog arbeitenden DJs. Neben der ewigen Diskussion um Soundqualität, fällt uns immer wieder vor allem ein deutlicher Unterschied zwischen Digital- und Vinyl-DJs auf. Wir meinen damit nicht, dass das eine oder andere besser ist, aber unser Eindruck ist, dass jemand, der Vinyls kauft, ganz anders selektiert. Die Musik wird viel bewusster ausgewählt und geht dann auch nicht in der Flut von Dateien unter.

Wie sieht denn euer persönlicher Werdegang aus?
Roman: Ich bin nach Karlsruhe gekommen um zu studieren. Angefangen Musik aufzulegen und zu produzieren habe ich vor ungefähr 5 Jahren mit Beginn meines Studiums. Seitdem hab ich viel erlebt. Heute hab ich die Möglichkeit regelmäßig in verschiedenen Läden aufzulegen und werde auch öfter mal an noch unerkundeten Orte eingeladen. Ende November darf ich zum Beispiel in Barcelona auflegen, worauf ich mich schon riesig freue.
Vadim: Auch ich bin zum Studieren nach Karlsruhe gekommen. Das war vor gut drei Jahren. Zu der Zeit habe ich schon eine Weile Musik produziert. Angefangen hat es bei mir irgendwann 2005, da habe ich einfache MIDI-Musik für meine eigenen kleinen Videospielprojekte gemacht. Mit der Zeit hat sich das dann zu dem entwickelt, was ich jetzt mache. Mit dem Auflegen habe ich vor zweieinhalb Jahren angefangen.

Wie sieht denn die Szene für ein Label in Karlsruhe aus? Unter anderem gibt’s da ja auch BigBait, die schon seit einigen Jahren am Start sind.
Naja zu Zeiten von Globalisierung und Internet spielt das jetzt ja nicht eine allzu große Rolle für ein Label. Aber es ist, schön zu sehen, dass es die Leute interessiert und sie nachfragen. Wir werden mehr unterstützt, als wir das erwartet hatten. Props Karlsruhe!

Was ist vielleicht der Vorteil einer überschaubaren Umgebung?
Wenn man sich Städte mit großen Szenen anschaut, beispielsweise Berlin, dann herrscht dort ein gewisses Überangebot an Musik und es ist dort gar nicht so einfach herauszustechen. In einer kleineren Stadt wie Karlsruhe ist es hingegen nicht so schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen und schnell mit den richtigen Leuten in Kontakt zu treten.

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Was werden die nächsten Schritte sein?
Wir wollen auf jeden Fall noch viele weitere Platten rausbringen und können uns auch vorstellen, die eine oder andere Veranstaltung zu machen. Aber jetzt ist erstmal Brainstorming angesagt, denn die zweite Platte ist ja bekanntlich die schwerste.

Wie empfindet ihr die Clubszene hier? Ihr legt ja beide auf. Ist hier nicht zu wenig los, um einen Input zu bekommen?
Na, es ist eben nicht so, dass man sich am Abend überlegen muss, wohin man heute gehen wird. Es ist eher so, dass man das nimmt, was man kriegen kann. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass man Abstriche in der Qualität des Gebotenen machen muss. Immer wieder bringen kreative Leute mit Leidenschaft, gute Acts in die Stadt oder stellen andere tolle Dinge auf die Beine.

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Wollt ihr eine Plattform für Produzenten bieten? Sind die Leute, also Produzenten überhaupt da?
Eine Plattform ist für uns etwas offenes, das jedem die Möglichkeit zum Mitmachen bietet. Weil wir ein kleines Label sind, haben wir nicht die Mittel das so offen zu gestalten. Natürlich sind wir immer auf der Suche nach neuen Produzenten und Sounds, die in unser Konzept passen. Aber das ist dann etwas, was wir uns selbst aussuchen. Produzenten gibt es heutzutage viele. Musik zu machen ist inzwischen so einfach geworden, dass sich jeder daran versuchen kann. Da entsteht natürlich ein riesiger Wald an hochwertigen Produktionen, den man erst einmal gründlich durchforsten muss, um den einen besonderen Sound zu finden.

Wollt ihr euch auf Karlsruhe konzentrieren? Oder wo ist euer Adressatenkreis?
Soul Estate ist für uns definitiv ein Projekt aus Karlsruhe. Das heißt aber nicht, dass wir nur lokal aktiv sein möchten. Ganz im Gegenteil, wir stehen in Kontakt zu Musikliebhabern, DJs und Bloggern aus der ganzen Welt und möchten viele Menschen mit unserer Musik erreichen.

Vielen Dank für eure Zeit und viel Glück in der Zukunft!

Links: https://www.facebook.com/soulestate
https://soundcloud.com/soul-estate
http://www.deejay.de/SOULES001_-_Suaave_Roman_Muehlschlegel_-_Welcome_To_The_Soul_Estate_-_Vinyl__163860

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