Dark Light
Kollektiv Liebe hat sich ganz der elektronischen Musik und dem ausgelassenen Feiern verschrieben. Gemeinsam plant der Verein spacey Events wie die vergangene Galactronica in der Fleischmarkthalle. Dort gab es neben Techno und Liebe auch Kunst zu sehen. Die Mitglieder erzählen vom gesellschaftlich verzerrten Bild der Szene, was ihnen beim Feiern wichtig ist und warum wir alle, uns öfter auf der Tanzfläche umarmen sollten.

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Kollektiv Liebe hat sich ganz der elektronischen Musik und dem ausgelassenen Feiern verschrieben. Gemeinsam plant der Verein spacey Events wie die vergangene Galactronica in der Fleischmarkthalle. Dort gab es neben Techno und Liebe auch Kunst zu sehen. Die Mitglieder erzählen vom gesellschaftlich verzerrten Bild der Szene, was ihnen beim Feiern wichtig ist und warum wir alle, uns öfter auf der Tanzfläche umarmen sollten.

Unter dem Namen könnte man sich vieles vorstellen zum Beispiel einen Swingerclub, eine Tierrettungsorganisation etc. Aber wer seid ihr und wenn ja wie viele?
Ja, das mit dem Swingerclub hören wir nicht zum ersten Mal. Unsere Präferenz liegt nicht beim Swingen, obwohl wir daran arbeiten (lacht). Nein im Ernst. Zum Verein gehören insgesamt dreizehn Leute mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Uns verbindet alle dieselbe Leidenschaft, nämlich Veranstaltungen mit dem gewissen Etwas auf die Beine zu stellen. Wir orientieren uns dabei nicht an Trends, sondern an den Dingen, die uns interessieren. Da jeder eine andere Vorstellung von derselben Sache hat, entstehen unsere Aktionen, die nicht nur aus Partymachen bestehen, aus einer vielfältigen schöpferischen Kraft. Die Stammmitglieder kennen sich schon seit über zehn Jahren und uns verbindet tiefe Freundschaft und Erlebnisse, die man gerne seinen Enkelkindern erzählen möchte. Naja, jedenfalls ein paar davon.

Und wie hat das alles angefangen?
Das Veranstalten von Partys begann schon vor über fünf Jahren, jedoch hauptsächlich auf privater Ebene, so dachten wir zumindest. Schnell waren über 100 Leute in einer WG-Küche und so merkten wir, dass wir dem Ganzen einen größeren Rahmen geben sollten. Insgesamt fanden wir auf verschiedensten Wegen zueinander und der Freundeskreis wurde immer vielfältiger und intensiver, aber der Hang zur Übertreibung wurde unser aller Laster.

Woher kommt eure Liebe zur elektronischen Musik?
Einige Mitglieder entdeckten ihre Liebe zu dieser Musik erst mit dem Verein. Es gibt aber einige Schlüsselmomente, die entscheidend für die Leidenschaft zum Techno waren. Ganz besonders richtet sich unser Augenmerk dabei auf die Timewarp 2006 in Mannheim. Rund die Hälfte von uns arbeitete, damals noch unschuldig, auf einem der Mainfloors an der Bar. So etwas hatten wir noch nicht gesehen oder gar gehört. Nicht in dieser Intensität. Im Moment der Erkenntnis, dass wir eigentlich vor der Bar und nicht dahinter stehen sollten, durchfuhren uns Babba Väths [Anm. d. Red.: Sven Väth deutsche DJ Größe] legendäre Worte: Gude Laune Leuteee!

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Verfolgt ihr ein bestimmtes Konzept?
Wir versuchen, Veranstaltungen so zu gestalten, dass wir selbst als Gast gerne hingehen würden. Entscheidend ist es die Leute, die Energie und Liebe zu spüren, die in unserer Arbeit steckt und dass besondere Momente geschaffen werden, an die man gerne noch lange, zurückdenkt. Ein ganz spezielles Konzept verfolgen wir nicht, sondern verlassen uns da auf eine Art Bauchgefühl.

Ihr wollt also für verschiedene Kunstsparten eine Plattform bieten. Warum ist euch die künstlerische Vielfalt so wichtig?
Die Vielfalt ist uns besonders wichtig, da wir als Vereinsmitglieder verschiedene Geschmäcker haben und versuchen möchten, allen Kunstrichtungen eine Plattform zu bieten. Jeder soll sich kreativ so ausleben können, wie er es mag. Was dabei entsteht, kann man als großes Gesamtkunstwerk betrachten. Außerdem glauben wir, den Menschen so einen Einblick geben zu können, in das, was uns vereint, nämlich die elektronische Musik. Ein schönes Beispiel dafür ist die letzte Veranstaltung Galactronica. Über völlig unterschiedliche Wege trafen sich Mutter und Sohn auf der Tanzfläche wieder. Genau so etwas möchten wir erreichen. Ein generationenübergreifendes Fest ohne Vorurteile oder Zwänge.

Hat die Gesellschaft ein falsches Bild oder Vorurteile von elektronischer Musik und der ganzen Szene?
Die Gesellschaft, in der wir leben, hat ein verzerrtes Bild der Techno-Kultur und deshalb ist der Zugang zu unserer Kultur durch Vorurteile erschwert. Auch die Tatsache, dass es mittlerweile viele Subkulturen der Szene gibt, sollte der Gesellschaft bewusstwerden. Darum versuchen wir bei unseren Veranstaltungen, ein breites Spektrum der Künste anzubieten. Leute, die nie auf einen Rave kommen würden, sollen die Chance haben, über ihr Interesse für zum Beispiel Malerei, auch die Musik, die wir so lieben, besser kennenzulernen.

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Warum seid ihr den Weg über die Gründung eines Vereins gegangen, das bedeutet schließlich bürokratischen Aufwand. Was erhofft ihr euch davon?
Den Verein haben wir im Juni letzten Jahres gegründet, da wir unseren Veranstaltungen und sonstigen Aktionen auch einen gebührenden rechtlichen Rahmen verleihen wollten. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und fördern Kunst und Kultur. Also jeden, der sich einer Kunstrichtung verschrieben hat und diese über unseren Kanal mit der Außenwelt teilen möchte. Da wir auch nie die Absicht hatten große Gewinne einzufahren, war der Verein als Rechtsform auch genau das Richtige.

Warum ist elektronische Musik und das gemeinsame Feiern eurer Meinung nach so wichtig für die Menschen?
Die spirituelle Kraft, die das gemeinsame Feiern zur elektronischen Musik hat, ist doch was sich ein jeder wünscht. Es ist so fern vom Alltag und dieses besondere Gemeinschaftsgefühl haben wir so noch bei keinem anderen Musikgenre erlebt.

Aber Karlsruhe hat doch eine relativ ausgeprägte Clublandschaft. Welche Lücke versucht ihr zu schließen?
Wir sehen uns weniger als Lückenfüller und das ist auch nicht unser Ziel. Eher würden wir uns als Brückenbauer bezeichnen. Unsere Intention ist es auch nicht, sich auf irgendein Gebiet zu spezialisieren oder gar zu beschränken. Wir versuchen uns vielmehr in verschiedensten Disziplinen zu denen auch Freizeitaktivitäten wie Wandern, Klettern, Grillsport usw. gehören aus. Wie überall gibt es aber Dinge, die man gut kann oder noch nicht so gut. Da wir sehr gerne feiern, haben wir einige Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen können, die diesen Bereich besonders fördern. Wenn es also so etwas wie eine Lücke in der Clubszene gibt, haben wir sie nicht gesucht, sondern die Lücke hat uns gefunden.

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Was haltet ihr von der Clublandschaft in Karlsruhe? Was sind eurer Meinung nach die besten Locations zum Ausgehen?
Jeder Club hat seine Daseinsberechtigung und einige wären nicht wegzudenken. Mehr können wir dazu leider nicht sagen.

Wie verliefen eure Veranstaltungen bis jetzt, was habt ihr für Feedback bekommen?
Bisher verliefen die Veranstaltungen, dafür dass wir es als “Hobby” betreiben, sehr gut. Der Spaßfaktor war immer gegeben. Das Feedback, war mehr als positiv, auch wenn man leider das Negative nie sonderlich mitbekommt. Wir glauben, dass die Leute schon merken, wie viel uns daran liegt, dass jeder sich wohlfühlt und die Energie rüberkommt. Die vielen Umarmungen nach so einer Veranstaltung und die glücklichen Gesichter sprechen eigentlich für sich.

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Kann man bei euch mitmachen und wenn ja, wie?
Ja, man kann Mitglied beim Kollektiv Liebe e. V. werden. Es gibt eine passive- und eine aktive Mitgliedschaft für 5,- € oder 10,-€ im Monat. Passive Mitglieder haben die Möglichkeiten sich an Projekten zu beteiligen und Ideen einzubringen, aber kein Mitentscheidungsrecht. Aktive Mitglieder dürfen sich in jeglicher Form einbringen, also auch eigene Projektideen vorstellen und gegebenenfalls umsetzen. Der Vorteil liegt dabei bei der Publikumsreichweite und einem weitreichenden Netzwerk an Geschäftspartnern. Da wir eine überschaubare Gruppe sind, muss es natürlich auch zwischenmenschlich passen. Wer aktives Mitglied werden möchte, sollte auch den Wunsch haben, sich in Projekten zu verwirklichen.

Gibt’s Pläne für die Zukunft?
Unsere Ziele kann man in langfristige und kurzfristige aufteilen. Kurzfristig wollen wir weiterhin schöne Veranstaltungen unter Berücksichtigung der verschiedenen Kunstrichtungen durchführen und den Freundeskreis erweitern. Langfristig haben wir den Traum, aus dem nun auch ein Ziel geworden ist, ein mehrtägiges Openair-Festival im Großraum Karlsruhe zu etablieren.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück weiterhin mit euren Projekten!

Fotos: Denis Krieg

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