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In Zeiten von Klimaprotesten beschäftigen sich immer mehr Karlsruher BürgerInnen mit dem Klimawandel und mit Maßnahmen, um die Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Die Bürgerstiftung Karlsruhe ist eine unabhängige Gemeinschaftseinrichtung, die die Stadt lebenswerter machen möchte und so eine Plattform für alle ist, die etwas bewegen möchten. Die Bürgerstiftung trägt unter anderem ihren Teil zu mehr Nachhaltigkeit bei, indem sie 2018 das leih.lokal gegründet hat. Das leih.lokal ist ein Projekt, das seinen Beitrag zur Schonung der Ressourcen geben möchte und sich als Teil der Sharing Economy sieht. Das Konzept existiert bereits in anderen Städten, jedoch ist das leih.lokal in der Karlsruher Oststadt eines der größeren Leihläden in Deutschland und hat schon bald 1500 AusleiherInnen. Wir haben mit vier ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des leih.lokals ein Interview geführt, um mehr über ihre Arbeit, ihre Motivation und die Herausforderungen bezüglich des leih.lokals herauszufinden. Wie das leih.lokal genau funktioniert, was sie sich für die Zukunft wünschen und welcher ihr Lieblingsgegenstand ist, erfahrt ihr hier im Interview!

In Zeiten von Klimaprotesten beschäftigen sich immer mehr Karlsruher BürgerInnen mit dem Klimawandel und mit Maßnahmen, um die Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Die Bürgerstiftung Karlsruhe ist eine unabhängige Gemeinschaftseinrichtung, die die Stadt lebenswerter machen möchte und so eine Plattform für alle ist, die etwas bewegen möchten. 

Die Bürgerstiftung trägt unter anderem ihren Teil zu mehr Nachhaltigkeit bei, indem sie 2018 das leih.lokal gegründet hat. Das leih.lokal ist ein Projekt, das seinen Beitrag zur Schonung der Ressourcen geben möchte und sich als Teil der Sharing Economy sieht. Das Konzept existiert bereits in anderen Städten, jedoch ist das leih.lokal in der Karlsruher Oststadt eines der größeren Leihläden in Deutschland und hat schon bald 1500 AusleiherInnen. Wir haben mit vier ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des leih.lokals ein Interview geführt, um mehr über ihre Arbeit, ihre Motivation und die Herausforderungen bezüglich des leih.lokals herauszufinden. Wie das leih.lokal genau funktioniert, was sie sich für die Zukunft wünschen und welcher ihr Lieblingsgegenstand ist, erfahrt ihr hier im Interview!

Bei “Creating Future” möchten wir Kreativschaffende, Startups und Entrepreneure vorstellen, die von Karlsruhe aus mit Ihrer Arbeit einen Beitrag dazu leisten wollen, die Zukunft positiv zu gestalten. Im Fokus stehen dabei Themen rund um Umwelt, Nachhaltigkeit, Technologie, Gesellschaft, Stadtentwicklung und Kultur.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Ruth: Ich bin 32, Heilpädagogin und mache beim leih.lokal ehrenamtlich mit. Bei Diensten bin ich eher montags anzutreffen, da mein Beruf die anderen Tage leider kaum zulässt.

Miriam: Ich bin 22 und momentan Studentin am KIT für den Studiengang Wissenschaft-Medien-Kommunikation.

Simon: Ich bin 30 und promoviere momentan am ZI in Mannheim im Bereich der Schlafforschung und Neurowissenschaften.

Rafael: Ich bin 71 und aktuell selbständig (“Ecologika”).Früher war ich als Flugzeugtechniker, Kunststoff Facharbeiter und Sozialarbeiter/ Bewährungshelfer tätig.

Wie kamt ihr zum leih.lokal? Wie lange seid ihr schon dabei?

Ruth: Eine meiner liebsten Freundinnen wohnt quasi daneben, auf dem Weg zu ihr habe ich immer neugierig in das spannende Schaufenster geschaut. Als klar war, dass ich nach Karlsruhe ziehe, wusste ich: “Da möchte ich mitmachen!”. Dabei bin ich seit Herbst 2020.

Miriam: Als ich nach Karlsruhe gezogen bin, habe ich etwas zur Überbrückung gesucht, bis im Herbst mein Studium begonnen hat. Auf der Seite des Bundesfreiwilligendienstes-BW bin ich spontan aufs leih.lokal gestoßen und fand die Idee toll, vorallem weil ich so etwas zuvor nicht kannte. Ich war von Januar bis August 2020 dort Bufdi. Seitdem helfe ich immer mal wieder mit, wie es der Semesterstundenplan und die Klausurenphase erlauben. 

Simon: Ich bin seit Anfang 2020 dabei und bin schnell ins Team reingekommen. Anfangs hatte ich durch eine Überbrückungsphase mehr Zeit und habe einige Laden Dienste übernommen. Mittlerweile bin ich eher im “Hintergrund” tätig und versuche den organisatorischen Überblick zu behalten.

Rafael: Seit Anfang 2020 bin ich dabei. Die Bürgerstiftung habe ich von Anfang an über die Presse und Freunde begleitet, die Idee fand ich schon lange gut. Mein Wunsch, meine Ideen einem breiteren Publikum vorzustellen war ausschlaggebend, dann habe ich die Leute getroffen und die Atmosphäre hat mich überzeugt. Ich mache circa alle zwei Wochen Dienst und repariere hier und da defekte Geräte. 

Was habt ihr davor gemacht? Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade beim leih.lokal mithelft?

Ruth: Beruflich bin ich im sozialen Bereich unterwegs, ansonsten engagiere ich mich noch bei Foodsharing. Habe ich frei, bin ich meist draußen anzutreffen: wandernd, radelnd, erkundend und genießend!

Miriam: Da ich immer schon gerne geschrieben habe, hat es mich nun über Umwege in Richtung Wissenschafts-Journalismus hierher nach Karlsruhe verschlagen, auch weil ich hier Verwandschaft habe. Ich bin kreativ, zeichne gerne und habe in den letzten Jahren die Fotografie für mich entdeckt. In letzter Zeit erkunde ich, was die Region um Karlsruhe für schöne, grüne Ecken zu bieten hat.

Simon: Abseits vom leih.lokal singe ich gerne im Chor und gehe liebend gerne in den Parks und Wäldern nahe der Oststadt spazieren.

Rafael: Ich bin ehrenamtlich bei der der Critical Mass, der Foodcoop, und bei Nebenan.de engagiert. Außerdem fahre ich gerne Fahrrad, mache walking und gehe wandern. Darüber hinaus pflege ich Freundschaften und Familienkontakte.

Was ist eure Motivation ehrenamtlich zu arbeiten? Gab es dafür einen bestimmten Auslöser?

Ruth: Mmh, so genau kann ich das gar nicht sagen. Es macht mir einfach Freude, in einer motivierten Gruppe ein tolles Projekt umzusetzen, davon viel zu lernen und bereichernde Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen zu haben. 

Simon: Mir macht es viel Spaß in einem Team an etwas zu arbeiten, in dem man einen Sinn sieht. Die Welt verbessern um der Sache willen und nicht, um damit Geld zu verdienen.

Rafael: Ich habe das Gefühl, dass ich es sehr gut habe, wie ich hier und jetzt lebe. Somit trage ich eine Verantwortung für die Welt und ihre Bewohner, mit großem Respekt vergangener- und künftiger Generationen.

Miriam: Es gab keinen speziellen Auslöser, ich wollte in Karlsruhe ankommen und mich einleben. Ich bin froh, dass ich so ein tolles Team kennengelernt habe und ich wollte die Idee des leih.lokals weiterhin unterstützen. Teilen ist ein sinnvolles Konzept, das uns zusammenbringt. Es ist jedes mal toll mitzubekommen, was für tolle Projekte und Erlebnisse unsere Nutzer mit den geliehenen Dingen hatten bzw. auf die Beine gestellt haben, das motiviert mich.

Was denkt ihr, inwiefern euch die Arbeit beim leih.lokal persönlich weiterbringt? Warum seid ihr für das leih.lokal tätig und bringt euch mit eurer Zeit ein?

Ruth: Die Offenheit der Menschen bringt mich weiter. Ich probiere mir unbekannte Geräte und Gegenstände aus, dabei lerne ich, was damit gemacht werden kann und sammle Impulse. Außerdem ist die Stimmung im Team klasse, alle sprühen vor Ideen. Wir sind eine bunt gemischte Gruppe und es herrscht ein wohlwollender Umgang. 

Miriam: Ich bin in der Zeit als Bufdi persönlich gewachsen, habe Teamgeist kennengelernt und wie man auch mal mit schwierigen Situationen umgehen kann. 

Rafael: Ich kann meinen Vorgängerinnen nur beipflichten. Die Mischung zwischen den Generationen finde ich besonders wohltuend und das “Klientel” ist sehr angenehm und offen. 

Wie funktioniert das leih.lokal? Wie sieht das Konzept dahinter aus?

Ein Leihladen ist wie eine Bibliothek, nur, dass statt Büchern gebrauchte, gut erhaltene Gegenstände verliehen werden. Das leih.lokal hat Dinge für Heimwerker, Garten, Haushalt, Küche, Kinder und Freizeit. Alle Gegenstände sind an uns gespendet worden. Wir wollen dadurch mehr Nachhaltigkeit in Karlsruhe etablieren – leihen statt kaufen.

Wie ist das System der Ausleihe? Wie viele Gegenstände darf man für wie lange ausleihen?

Alle Gegenstände werden gegen Pfand, in bar verliehen. Eine Gebühr gibt es nicht, daher ist das leih.lokal auf Spenden angewiesen und freut sich über jede Unterstützung. Die Dauer der Ausleihe beträgt 1 Woche und kann auf insgesamt 3 Wochen verlängert werden. Maximal können 3 Gegenstände geliehen werden. Wir sind jedoch auch flexibel, wenn die AusleiherInnen einen guten Grund vorbringen können es länger zu leihen.

Wie kommt das leih.lokal bisher in Karlsruhe an? Habt ihr eher Stammkunden oder ist die Kundschaft sehr abwechslungsreich? Wie viele Nutzer habt ihr inzwischen?

Miriam: Momentan nähern wir uns der 1500sten AusleiherIn und täglich werden es mehr. Wir haben natürlich auch Kunden, die seit Eröffnung im Oktober 2018 dabei sind. Wir haben ein paar Power-User, die schon bei ein paar Dutzend Ausleihen sind, aber allgemein ist es sehr ausgeglichen.

Arbeiten im leih.lokal ausschließlich Ehrenamtliche? Wie viele Mitarbeiter habt ihr?

Ruth: Alle, bis auf eine BufDine, sind ehrenamtlich dabei. 

Miriam: Der/Die BufDi/ne bekommt ein kleines Taschengeld im Monat inklusive Krankenversicherung. Alle anderen im Team machen das ehrenamtlich. Unser Team besteht zur Zeit aus ungefähr 20 Mitgliedern und wächst nach wie vor stetig an. 

Wie viele Gegenstände hat das leih.lokal in seinem Sortiment? Welche sind besonders beliebt, welche eher weniger?

Miriam: Aktuell haben wir 764 Gegenstände im Sortiment, eingeteilt in die Kategorien Freizeit, Kinder, Haushalt, Garten, Küche und Heimwerker.Rafael: Allgemein sind Werkzeuge wie Bohrmaschinen, Stichsägen und Schleifgeräte sehr beliebt.   

Miriam: Die sind wirklich heiß begehrt! Studenten leihen sich auch eine Bohrmaschine aus, um zum Beispiel ein Regal aufzuhängen. Letztens hat jemand mit Hilfe unserer Tischkreissäge eigene Möbel gebaut. Waffeleisen gehen auch gut.

Simon: Wir haben auch ein paar Ladenhüter, jedoch sortieren wir hier auch regelmäßig aus – was über zwei Jahre nicht geliehen wird, kann Platz schaffen für Neues.

Habt ihr einen persönlichen Lieblingsgegenstand? Welchen Gegenstand habt ihr selber bislang am häufigsten ausgeliehen?

Ruth: Den Dörrautomat!  

Miriam: Ich habe schonmal den Fahrradheckträger und Fahrradtaschen für einen Urlaub ausgeliehen. Momentan habe ich mir einen 2. Bildschirm fürs Homeoffice geliehen, um auszuprobieren, ob sich eine Anschaffung lohnt.

Simon: Ich mag den Erdlochbohrer. Nicht weil ich ihn jemals gebraucht habe, aber weil es ein so spezielles und witzig aussehendes Teil ist. Er wurde auch insgesamt erst einmal von einer Frau ausgeliehen – diese wusste jedoch ganz genau, dass sie dieses grotesk aussehende Gerät braucht. Wenn ich mal ein Erdloch bohren muss, weiß ich wo ich ihn finde haha!

Rafael: Die Dampfreiniger sind einfach gut.

Was waren und sind die größten Herausforderungen und Hindernisse vor und nach der Eröffnung des leih.lokals? 

Rafael: Die Dienste zu besetzen ist besonders an den Samstagen manchmal schwer.

Simon: Hier hoffen wir natürlich, dass wir mit wachsender Bekanntheit noch mehr Ehrenamtliche ins Team bekommen, um diese Lücke zu schließen. Durch Corona hatten wir eine große Spendenlücke – diese Herausforderung konnten wir jedoch zum Glück einigermaßen überstehen. 

Miriam: Unser Prinzip funktioniert ja auf Vertrauensbasis. So wie wir den Gegenstand ausgegeben haben, so soll er auch zurückkommen. Man könnte meinen, dass die Leute sich schwer tun auf etwas Acht zu geben, was sie nicht selbst besitzen. Aber genau das funktioniert recht gut. Natürlich gibt es ein paar altersbedingte Zimperlein, da es ja gebrauchte Dinge sind, aber unsere Kunden ersetzen gerne etwas oder sorgen für Nachschub, wie Schleifpapier oder Ähnliches. Die Resonanz und das Verständnis, das wir in der Hinsicht entgegen bekommen, ist durchweg positiv. Wir sind glücklich, dass unsere AusleiherInnen offen und ehrlich sind, denn auch wenn mal etwas den Geist aufgeben sollte, ist das nicht die Welt. Es kann allerdings vorkommen, dass etwas zurückkommt, dass nicht “artgerecht” behandelt wurde. Es wäre toll, wenn man sich vorher informiert, wie man einen Gegenstand richtig benutzt und ob er für den Zweck wirklich geeignet ist. Natürlich kann man das Team immer fragen, aber wir sind in dem jeweiligen Gebiet auch keine Experten. Bei speziellen Handwerker- und Gartengeräten ist es zum Beispiel wichtig, dass ein gewisses Know-How vorhanden ist, auch was die Sicherheit angeht. So ließen sich einige kleinere Blessuren und Reparaturen vielleicht in Zukunft vermeiden.

Sharing is caring! Inwieweit trifft das auf das Leih.Lokal zu?

Miriam: Genau das ist unser Motto.

Simon: Der Spruch könnte nicht besser passen!

Ihr seht das leih.lokal als ein Teil der Sharing Economy und seid gegen die Wegwerfgesellschaft. Gibt es, abseits vom Leih.Lokal, weitere Lebensbereiche in denen ihr privat oder beruflich Teil der Sharing Economy seid und diesen Trend für euch nutzt?

Ruth: Wie oben erwähnt, bin ich auch beim Foodsharing tätig. In meinem Freundeskreis tauschen wir Dinge, die wir selbst nicht mehr brauchen. Außerdem leihen wir uns einiges und ich versuche möglichst wenig neu zu kaufen.

Rafael: Besonders über Nebenan.de repariere ich Geräte wie Wasch- und Spülmaschinen und entkalke Geräte und Anlagen.

Simon: Ich selbst bin auch in der Telegram Gruppe “Sharing ist KAring” aktiv – in dieser werden Dinge ohne Tauschlogik geteilt – das heißt ohne Gegenleistung verschenkt. Hier habe ich schon das ein oder andere nützliche Teil bekommen und auch verschenkt. Ich orientiere mich in letzter Zeit zudem immer mehr in Richtung Second Hand Kleidung.

Wo seht ihr noch Probleme bezüglich der Sharing Economy? Hängen die Menschen noch zu sehr an dem Konzept des Besitzes? Oder an der Vorstellung, dass Konsum mit Wohlstand gleichgesetzt ist?

Ruth: Das ist eine schwierige Frage und differenziert zu betrachten. Ich denke teilweise ist es organisatorisch aufwendiger zu teilen und leichter etwas selbst zu besitzen. Unwissen und Gewohnheiten spielen sicherlich auch eine große Rolle.


Rafael: Ich finde das Auto hierfür ein gutes Beispiel, viele brauchen noch ein “Statussymbol”. Carsharing ist sicher nicht aufwendiger als das Besitzen eines Autos, trotzdem hat sich das Konzept noch nicht richtig durchgesetzt. Mein Eindruck von der jungen Generation ist allerdings, dass viele eher keinen Führerschein haben und mehr Fahrrad und ÖPNV benutzen.

Miriam: Eine echt interessante Frage. Ich finde sie auch nicht leicht zu beantworten. Vielleicht liegt es daran, dass in der Gesellschaft Besitz mit Wohlstand verknüpft ist, aber das wandelt sich. Und da gebe ich Ruth recht, sicher hat es einiges mit Gewohnheiten zu tun, dass man das Gefühl der Freiheit, das einem zum Beispiel das eigene Auto vermittelt, nicht missen möchte.

Das leih.lokal verfolgt zudem einen nachhaltigen und ökologischen Ansatz. Seid ihr zufrieden mit der Entwicklung der Gesellschaft in Richtung mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit? Was kann sich noch verbessern?

Ruth: In meiner Bubble bin ich schon ziemlich zufrieden mit der Änderung in diese Richtung, auch gesellschaftlich freuen mich Trends in diese Richtung. Doch Luft nach oben ist da gewiss immer noch!


Rafael: Der Kontakt zu den “Kunden” ermöglicht auch einen guten Austausch und gegenseitige Anregungen. Ich propagiere zum Beispiel das Anschließen einer Spülmaschine an der Warmwasserversorgung.

Simon: Der Trend geht in die richtige Richtung, und ich hoffe sehr, dass wir in den nächsten Jahrzehnten noch rasante Entwicklungen in diese Richtung erwarten können. 


Miriam: Das hoffe ich ebenso. Ich finde auch, dass es einige Schritte gibt, die in die richtige Richtung gehen, dennoch ist noch Luft nach oben. Es fängt damit an, dass sich jeder Einzelne bewusster mit diesem Thema auseinandersetzt.

Habt ihr noch Tipps, wie man im Alltag umweltfreundlicher und bewusster konsumieren kann?

Ruth: Weniger ist mehr und sharing is caring. 😉 Bevor man konsumiert sollte man erstmal kurz innehalten und überlegen: “Wieso möchte ich das haben/kaufen? Brauche ich das wirklich? Habe ich das/oder jemand aus meinem Umfeld schon?” 


Rafael: Ich bin für kleine Schritte, also zum Beispiel das Isolieren von Rollladenkästen im Altbau (mit umweltfreundlichen Materialien, versteht sich). Für mich ist es wichtig, dass es in die richtige Richtung geht. Zum Beispiel kann man die Ökologische Landwirtschaft unterstützen, auch beim Essengehen. 


Simon: Ich versuche alle Gegenstände, insbesondere Elektronik, nur gebraucht zu kaufen – ich habe hier fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Auch finde ich es wichtig, als Einzelner ein Zeichen zu setzen und Druck auf die Industrie und Politik zu machen, zum Beispiel durch seine Wahl beim Einkauf und durch die Teilnahme an unserer Demokratie. 

Miriam: Genau das ist das Stichwort: bewusster konsumieren, sich fragen, ob man Dinge wirklich braucht. Ich persönlich stöbere gerne ab und zu mal auf Flohmärkten und in Secondhand Shops zum Beispiel nach Bekleidung.  

Wie seht ihr die Marktlage in Karlsruhe für Leihlokale? Sind die Bürger*innen bereit für ein solches Konzept? Wäre eurer Meinung nach Platz für ein zweites leih.lokal oder ist die Stadt dafür nicht groß genug?

Simon: Momentan können wir den Bedarf durch unsere Leihgegenstände noch gut abdecken – unsere Auslastung der Ausleihtermine ist schätzungsweise bei 60-70%. Neben komplett ausgebuchten Tagen gibt es nach wie vor Tage, an denen nur eine Handvoll Kunden kommen. Jedoch ist unsere Lage in der Oststadt eine Hürde für Menschen, die aus westlichen Teilen der Stadt kommen – hier gab es schonmal die Idee eine “Zweigstelle” zu eröffnen. Jedoch sind hierfür die finanziellen Mittel noch nicht stabil genug – ebenso fehlt es uns für so etwas an genug Gegenständen, die wir doppelt haben. Jedoch bin ich stark für eine Kooperation und keine Konkurrenz.


Rafael: Ich bin sicher, dass ein zweites Lokal im Westen der Stadt genug Resonanz hervorrufen würde, hier bin ich dabei, die ersten Schritte zu gehen. Der Bekanntschaftsgrad des Lokals in der Oststadt ist noch niedrig, der Weg ist für manche oft zu weit, vor allem mit dem Fahrrad.


Miriam: Wir hatten auch ein paar Anfragen aus anderen Städten, die sich für das Konzept interessiert haben und vielleicht so etwas Ähnliches auf die Beine stellen wollten. Wir teilen gerne unsere Erfahrungen. Ich glaube es hätte eine Art Messe stattgefunden, zum Austausch von Sharing Economy Projekten in ganz Deutschland, bei der wir auch gerne dabei gewesen wären. Das hat wegen Corona leider nicht stattgefunden.

Wie fortgeschritten ist eurer Meinung nach die Stadt im Bereich Sharing Economy, auch im Vergleich zu anderen Städten? Was kann sich noch alles verändern? Welche Potentiale seht ihr?

Simon: Ich denke in Karlsruhe bewegt sich durchaus einiges, auch durch ansässige Institutionen wie das ITAS, das Quartier Zukunft, oder diverser anderer Initiativen. Jedoch sollte die Politik hierbei mehr Fördermöglichkeiten schaffen und auf ein besseres Gleichgewicht zwischen Groß- und Prestigeprojekten und kleineren gemeinnützigen Initiativen achten. 


Rafael: Die Stadt könnte mehr auf Carsharing und Lastenräder umsteigen, so den Fuhrpark reduzieren und bei der Qualität der Fahrzeuge und durch bessere Auslastung eine bessere Ökobilanz erreichen. Zudem könnte die Stadt nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter bei Umweltverbesserungen am Haus unterstützen.

2019 und 2020 wurden dem leih.lokal jeweils 10.000 € von der Stadt Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Wie ist die finanzielle Lage jetzt im Moment, ist das leih.lokal noch immer auf finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen? Wie stellt ihr euch das in Zukunft vor?

Simon: Wir sind sehr dankbar, dass die Stadt uns gerade in den Anfangszeiten finanziell unterstützt hat, ohne diese Unterstützung hätten wir so nicht weitermachen können. Unsere monatlichen Kosten belaufen sich im niedrigen 4-stelligen Bereich. Diese versuchen wir einerseits durch Spenden der AusleiherInnen und andererseits durch die Vermietung der Räumlichkeiten zu decken – zweiteres ist leider im letzten Jahr durch Corona fast komplett ausgefallen und ersteres durch die Lockdown-Schließung stark eingebrochen. Umso mehr freuen wir uns, dass wir in dieser schwierigen Zeit ein regelmäßiges Sponsoring der BW-Bank erhalten – hierdurch konnten wir die Einnahmelücken zumindest zu Teilen schließen. Ebenfalls haben wir im Dezember eine großzügige Spende der Sparda-Bank erhalten, welche uns auf kommende Herausforderungen gut vorbereitet. Nichtsdestotrotz sind wir nach wie vor auf die Spenden jedes Einzelnen angewiesen, um das Angebot kostenlos zu halten – und hoffen, langfristig die laufenden Kosten durch Spenden und Vermietung decken zu können.

Was würdet ihr euch noch von Karlsruhe wünschen?

Simon: Allgemein sind wir sehr zufrieden mit unserer Situation in Karlsruhe – unser Angebot wird gut angenommen und stößt auf durchweg positive Resonanz. Schade natürlich, dass wir nicht weiter von der Stadt unterstützt werden, jedoch müssen durch die Großprojekte Stadionbau, Staatstheater-Neubau und U-Strab kleinere Projekte wie das leih.lokal leider außen vor bleiben. Leider ist nicht abzuschätzen, ob sich diese Situation in den kommenden Jahren wieder stabilisiert.


Rafael: Ich finde es die Pflicht der Stadt, solchen Projekten, die der Stadt langfristig viel Kosten und Umweltschäden sparen, eine regelmäßige Finanzierung  zu sichern. 

Wie kann man das leih.lokal unterstützen?

Miriam: Jeden Sommer sind wir auf der Suche nach einem BufDi ab Juli/ August, der/die Lust hat, den Laden für ein Jahr zu betreuen. Alle Informationen hierzu sind auf unserer Homepage. Ebenso haben wir auf der leih.lokal Website eine Wunschliste für Gegenstände, die uns noch fehlen. Unser Team ist sehr vielseitig, jeder bringt sich ein mit dem was er gut kann, wir ergänzen uns gegenseitig. Manche sind sehr Reparatur-affin, denn unsere Gegenstände werden gewartet. Das IT- Team hat letztens eine neue Software programmiert, das die Verbuchung der Ausleihvorgänge wesentlich erleichtert. Manche haben einfach gerne Kundenkontakt und betreuen die Laden-Dienste. Da freuen wir uns natürlich immer über Zuwachs!


Rafael: Ich glaube wir müssen das Lokal in der ganzen Stadt bekannt machen, sodass jede/r die/der etwas braucht, erstmal an uns denkt. 

Im Moment arbeitet das leih.lokal auch noch mit dem System der Terminvergabe. Habt ihr vor, das in Zukunft beizubehalten oder ist es sinnvoller das Abholen ohne Termin zu machen?

Miriam: Bei der letzten Teambesprechung, die alle 6 Wochen stattfindet, haben wir beschlossen, beides parallel anzubieten. Zur Zeit sind also Termine möglich, man kann aber auch spontan vorbeikommen. So möchten wir unseren Kunden höchstmögliche Flexibilität ermöglichen.


Simon: Für uns hat das Terminsystem natürlich nur Vorteile: Wir wissen, wann wer kommt und können alles stressfrei vorbereiten. Für die AusleiherInnen gibt es den Vorteil der Reservierung, jedoch den Nachteil der wegfallenden Flexibilität. Ruth: Wir sind nun gespannt wie die Kombination funktioniert und wie das Feedback der Leihenden ist. 

Mit dem leih.lokal verbindet ihr verschiedene Generationen. Welche anderen Ideen für Konzepte habt ihr, die zu einer Verbindung unserer Gesellschaft beitragen könnten?

Simon: Momentan arbeiten wir zusammen mit der Karlshochschule an genau so einem generationenübergreifenden Projekt – “Wir für uns”. Hier wollen wir Menschen zusammenbringen, die so nicht zusammenkommen würden, zum Beispiel eben Jung und Alt. Wir sind sehr gespannt auf die noch kommenden Begegnungen!


Ruth: Als Team macht das Leih.Lokal an Veranstaltungen wie dem Hinterhof-Flohmarkt oder dem Parking Day mit. 


Rafael: Ich kann mir eine gegenseitige Wissensweitergabe von alt und jung vorstellen, zum Beispiel bei SchreinerInnen und HandynutzerInnen. 

Hofft ihr in Zukunft auf eine noch engere Beziehung zwischen den Generationen? Oder fürchtet ihr, dass soziale Medien und die Digitalisierung mehr Distanz zwischen Jung und Alt bringen?

Ruth: Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt: Ja. Die Digitalisierung bringt vielleicht eine Distanz, doch die Pandemie ließ so einige wieder näher zusammenrücken und nach Lösungen suchen. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Thema Lebenssinn und Lebensvorstellungen in den Vordergrund rücken. Da wünsche ich mir, dass generationenübergreifende Kontakte geschafft und gepflegt werden, und dass alle merken, dass wir einander brauchen und voneinander lernen können.


Rafael: Ich finde wir erleben zur Zeit eine neue Ära zwischen Alt und Jung. Die “Kämpfer” der 68er Generation solidarisieren sich mit der “Friday for Future” Generation. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.


Miriam: Ich finde eine gute Verbindung zwischen den  Generationen wichtig. Da sollten die digitalen Medien nicht dazwischen stehen, sondern eher zusammenbringen. Dass dies klappen kann, da ist unser Team und unser Leihbetrieb ein gutes  Beispiel. Wir helfen uns immer gegenseitig, falls es in diesem Bereich Fragen gibt.

Denkt ihr, dass es zukünftig noch mehr Leihläden geben wird?

Simon: Wir hoffen es doch sehr! Da wir einer der größten Leihläden in Deutschland sind, kommen regelmäßig interessierte GründerInnen aus anderen Städten auf uns zu, und wir sehen wie viel Bedarf und Enthusiasmus zu diesem Thema herrscht. Diesen Sommer findet auch das erste deutschlandweite Treffen der Leihläden statt, wenn es coronatechnisch möglich ist. Hier haben wir Hoffnung, ein Netzwerk aufzubauen, welches Starthilfe und Tipps an neue Läden geben kann.

Was ist eure Vision für die Zukunft? Was ist euer größter Wunsch für das leih.lokal?

Ruth: Dass der Funke der leih.lokal-Begeisterung überspringt und ähnliche Projekte entstehen. Dass wir stets tatkräftige, finanzielle oder materielle Unterstützung erhalten und das Team weiterhin so bunt und ertragreich für alle bleibt. 


Rafael: Dass die Stadt ihre Pflicht erkennt das Projekt zu finanzieren und bereit ist, von sich aus neue Standorte zur Verfügung zu stellen. 

Simon: Ich wünsche mir, dass wir noch viele Jahre bestehen bleiben und dass sich das Konzept “Leihladen” auf breiter Ebene durchsetzt.


Miriam: Schön finde ich, dass das Konzept so gut angenommen wird. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin als Team so gut harmonieren und uns ergänzen und das noch mehr Leute mitbekommen, dass es sowas wie das leih.lokal gibt.Es wäre toll, wenn sich das Idee des Leihladens in Zukunft auch in vielen anderen Städten etablieren könnte.

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Redaktion: Lisa Gorré, Jakob Siegmund

Fotos: Karla Maria Wieland

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