Dark Light
Beide kommen vom Graffiti, sprühten früher an Brücken, Züge und Wände. Heute sind ihre Werke auf internationalen Street-Art Messen und in Museen zu sehen. Die Künstler DOME und INDEX kennen sich noch aus alten Zeiten, sind beide in Karlsruhe aufgewachsen. Heute stellen sie ihre Werke im Projektraum Luis Leu in der Luisenstraße aus, die Ausstellung findet bis zum 23. Juli statt.

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Beide kommen vom Graffiti, sprühten früher an Brücken, Züge und Wände. Heute sind ihre Werke auf internationalen Street-Art Messen und in Museen zu sehen. Die Künstler DOME und INDEX kennen sich noch aus alten Zeiten, sind beide in Karlsruhe aufgewachsen. Heute stellen sie ihre Werke im Projektraum Luis Leu in der Luisenstraße aus, die Ausstellung findet bis zum 22. August statt.
Mittlerweile machen sie kein Graffiti mehr, oder eben nur noch selten. INDEX studiert in Freiburg Kunst und malt seine farbgewaltigen Explosionen auf Leinwände. DOME arbeitet vielseitig, egal ob mit 3D-Schablonen, Murals oder Leinwand. Im Gegensatz zu INDEX’ Farbgewalt hält es DOME lieber etwas düsterer in Schwarz oder Grautönen. Auf einem der ausgestellten Bilder sieht man vier düstere Gestalten. Sie alle tragen verschiedene Masken, die Körper sind verfremdet. Ein Mix aus Illustration, Schattenspiel und Grafik. Bei INDEX geht es da deutlich gewaltiger zu. Zum einen verwendet er sehr viele expressive Farben, arbeitet dabei grafisch und akribisch genau. Zum anderen hat er ein Faible für Explosionen als Motiv. Wir haben mit den beiden Künstlern auf ihrer Vernissage gesprochen, hier das Interview mit dem Künstler DOME:

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Gibt’s es denn so etwas wie eine Street-Art Szene in Karlsruhe?

Also da stellt sich die Frage, was Street-Art überhaupt ist. In Karlsruhe gibt es so zwischen zehn und zwanzig Leuten, die aktiv sind.

Wo ist der Unterschied für euch zwischen Graffiti und Street-Art?

Ich finde das etwas neumodisch. Früher waren wir alle nur Graffiti-Künstler. Klar gibt es Unterscheidungen zwischen Charakter- und Style-Maler. Ich empfinde Street-Art erst als Street-Art, wenn es die Umgebung miteinbezieht. Ich selbst habe das erst zwei Mal gemacht in den 21 Jahren, in denen ich bis jetzt male. Letzte Woche habe ich an der Alb was gemacht. Mit den Booten auf der Alb. Das ist dann Street-Art für mich. Den Rest, den ich mache, würde ich als Mural-Painting beschreiben. Also ich male meist nur meine Ideen und gehe nicht wirklich auf die Umgebung ein.

Aber ist die Platzwahl dann zufällig oder positioniert man nicht bestimmte Motive an bestimmten Orten, weil sie eben genau da hin passen?

In Istanbul habe ich eine Arche gemalt, wobei sich die Wand auch am Hafen befand. Bei so etwas gibt es schon Bezüge, aber es kommt drauf an. Eher sind es Zufälle oder eher nicht.

Beeinflusst dich der weltweit wohl bekannteste Streetart-Künstler Banksy?

Klar, der macht das eigentlich ausschließlich. Alles was ich mache, hat mit Erfahrungen, Ideen oder Gedanken zu tun. Manchmal sind das sehr direkte Sachen, wie eine Beziehung mit einer Frau, die mich inspiriert hat. Oder auch politische Gedanken, das hab ich bis jetzt nur einmal gemacht, zu Frau Merkel, in München letztes Jahr. Oftmals ist es auch einfach nur banal. Manchmal fragen mich Leute, warum ich bestimmte Symbole benutze, wie zum Beispiel den Hirschkopf. Da finde ich dann nur interessant, wie er den Raum ausfüllt. Dann kann man natürlich etwas reininterpretieren, Symbolik und Maskerade sind mir wichtig. Maskerade finde ich spannend.

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Hast du Kunst studiert?

Nein, ich habe Grafik-Design und Illustration studiert. Habe aber nach vier Semestern aufgehört, eigentlich als es angefangen hätte mehr in Richtung Illustration zu gehen.

Warum hast du abgebrochen?

Zufälle. Damals habe ich Auftragsarbeiten gemacht, bin mit meiner damaligen Freundin in Karlsruhe in eine Wohnung gezogen, musste Umbauarbeiten machen – und dann war ich auf einmal exmatrikuliert.

Und wann hast du angefangen mit dem Ganzen?

Mit 18 habe ich mit Styles angefangen.

Also kommst du aus der Grafitti-Ecke, warst du da so richtig unterwegs mit sprühen?

Es gibt keinen, der nicht illegal gemalt hat.

Und heute werden die Sachen bewacht oder geschützt. Was hat sich in der Wahrnhemung verändert?

Ich glaube zum einen liegt das an dem Wort Graffiti, das ist so negativ belastet, weil in den 90ern so massiv auf alles gemalt und geboomt wurde, auf Autos, Wände, Züge… Die meisten hatten zu dieser Codierung keinen Zugang, deswegen ist da dieser Hass entstanden. Ein Stencil (Anm. d. Red. Engl. für Schablone, wird oft von Street-Artists verwendet.) kommuniziert natürlich mit viel mehr Menschen.

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Jeder hat ja sein Tag, das sieht auch mehr oder minder immer gleich aus. Aber Stencils sind wirklich ein aus der Industrie übernommener Vervielfältigungsprozess. Findest du Stencils kreativ?

Es gibt zwei Künstler, das ist zum einen C215 aus Frankreich und M-City aus Polen, die haben so einen ganz eigenen Duktus in ihren Stencils. Und ich wage das jetzt mal zu sagen – Banksy könnte jeder kopieren. Der hat keinen Strich drin, der hat halt ein beautiful mind. Der hat einfach die tollste Vorstellung der Umgebung und weiß das einzigartig zu kombinieren. Und C215 macht hauptsächlich Porträts, hat aber so einen Duktus drin, der unverkennbar ist. Und so ist es bei M-City auch. Das ist oftmals leider nicht der Fall, dass die Street-Artists einen eigenen Strich drin haben. Das sind meist Fotos, die mit Photoshop vereinfacht werden.

Kannst du mittlerweile von deiner Kunst leben?

Ja, mal geht es besser, mal geht es schlechter. So wie es halt ist.

Ist Karlsruhe für dich als Künstler eine gute Stadt, um hier zu wohnen?

Zum einen ist meine Familie hier. Die ist mir sehr wichtig. Aber ich habe im Prinzip auch noch nie das Angebot gehabt, woanders hinzugehen. Wenn da mal ein Angebot kommen sollte, bin ich vielleicht auch weg. Aber da ich immer sehr viel reisen kann, bin ich eigentlich auch froh, zurückzukommen. Und gerade dieses Jahr finde ich es auch schön mit dem Stadtgeburtstag. Davor fand ich es oft stinkelangweilig. Jetzt passiert mal was. In jedem Stadtteil ist mal ein Fest und es gibt kreative Auseinandersetzungen. Das müsste eigentlich jedes Jahr so sein. Dann wäre Karlsruhe total attraktiv.

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Wie sieht so ein ganz normaler Tag in deinem Leben aus?

Ins Atelier kommen, Rechner an, blöde Emails beantworten. Ich versuche immer um 9 Uhr da zu sein, aber es klappt nicht immer, von daher ganz unterschiedlich. Manchmal beantworte ich Mails erst alle zwei Tage, Schreiben nervt mich und bringt mich aus der Konzentration, deswegen nervt mich auch Whatsapp und der ganze Quatsch. Telefonieren geht schneller. Dann mache ich Skizzen, oftmals ins Blinde, ohne dass ein Projekt ansteht. Dann kommen konkrete Projekte.

Was heißt Projekte, von wo bekommst du deine Aufträge?

Das sind meist solche Street-Art-Projekte, die sich Leute selbst organisieren, oder auch mal eine Galerie. Meist sind das kleine Festivals mit fünf bis zehn Künstlern, die alle ihre eigene Fassade bekommen.

Klingt ja eigentlich ziemlich gut. Wie groß ist die Community so?

Man trifft mehr oder weniger immer die gleichen Leute. Die weltweite Szene, das sind so um die 100 Menschen. Letztes Jahr war auf Djerba in Tunesien ein ganzes Dorf, das bemalt wurde. Und dort triffst du dann immer die Gleichen. Auch wenn ich jetzt nicht jeden persönlich kenne. Aber man erkennt es ja an den Motiven.

Was ist das Treffen, wo jeder Street-Artist hin muss?

Das ist der Stadtteil Wynwood während der Miami Art Basel. Das ist ein Stadtteil, wo jedes Haus bemalt wird, jedes Jahr. Das heißt es sieht da immer anders aus. Ich bin da letztes Jahr mit meinem Laptop zu den Galerien und hab gefragt „Soll ich das an eure Hauswand malen?“. Aber meist passiert sowas auf Einladung. In Wynwood gibt es ca. 60 Galerien. Da geht dann das ganze Volk zum Feiern hin. Das ist schon eine einzigartige Atmosphäre dort, nur zu empfehlen!

Vielen Dank für das Interview und viel Spaß und Glück weiterhin!

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