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Ein in der Surf- und Skateboardindustrie verwurzelter Grafikdesigner und Illustrator, der sich mittels Konzeptkunst ein Ventil geschaffen hat, seine Meinung und seinen Ärger über politische Missstände auszudrücken – klingt nach einer spannenden Mischung? Ist es auch! Wir haben den frisch nach Karlsruhe gezogenen Künstler Alexander DiFelice zu seinem Werk ‘Privateigentum – Betreten verboten!’ befragt, einer politischen Rauminstallation zur europäischen Flüchtlingskrise, und mehr über sein künstlerisches Schaffen erfahren.

Ein in der Surf- und Skateboardindustrie verwurzelter Grafikdesigner und Illustrator, der sich mittels Konzeptkunst ein Ventil geschaffen hat, seine Meinung und seinen Ärger über politische Missstände auszudrücken – klingt nach einer spannenden Mischung? Ist es auch! Wir haben den frisch nach Karlsruhe gezogenen Künstler Alexander DiFelice zu seinem Werk 'Privateigentum – Betreten verboten!' befragt, einer politischen Rauminstallation zur europäischen Flüchtlingskrise und mehr über sein künstlerisches Schaffen erfahren.

Alexander-DiFelice
(© Kathrin Brunner)

Alexander DiFelice ist Konzeptkünstler. In seinem neuen Werk 'Privateigentum – Betreten verboten!' befasst er sich mit der europäischen Flüchtlingskrise und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen. Selbst durch einen Migrationshintergrund geprägt, beschäftigt ihn diese Thematik umso mehr. Zu sehen sind scheinbar schwebende Fußspuren, die den Raum einnehmen. Die dunklen Fußabdrücke, die auf leichte und transparente Zellophanfolien aufgebracht wurden, stehen für Asyl- und Schutzsuchende, die ihnen entgegengesetzte rote Spur steht für Menschen, die im Aufnahmeland nicht willkommen waren und wieder vertrieben wurden. Der Raum und seine Wände, in denen die Installation platziert wird, stellen ein Land und seine Grenzen dar.

Ansprechen möchte Alexander eine breite Öffentlichkeit: „Viele Menschen fühlen sich bedroht von der aktuellen Flüchtlingswelle, die auf uns zusteuert und es kommen Fragen auf, wie man damit umzugehen hat, wo die vielen Menschen untergebracht werden sollen, ob sie islamistischen Terrorismus mit nach Europa bringen usw. Die Installation soll diese Verzweiflung ausdrücken, indem sich die Betrachter, von den im Idealfall über ihnen hängenden Fußspuren, überrannt und dadurch auch bedroht fühlen. Andererseits möchte ich natürlich auch an die Solidarität der Menschen appellieren, weil ich finde, dass Jemand, der wegen Hunger, Krieg, wegen Mord und Totschlag, wegen Vergewaltigung aus seiner Heimat flüchtet, aufgenommen werden muss.“

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Die Idee zur Installation kam Alexander beim Durchlesen der Kommentare auf der Website der Tagesschau. Die verbreitete Haltung „Ich bin kein Nazi, aber…“ und die größtenteils abwertenden Kommentare gegenüber den Flüchtlingen, bis hin zu Hassbotschaften, stimmten ihn nachdenklich. Im zur Arbeit gehörenden Manifest, das sich gegen Fremdenhass und Fremdenfeindlichkeit richtet, hat er einige dieser prägnanten Äußerungen und seine Leitgedanken festgehalten: „Diese Stimmung fand ich einfach sehr krass. Leider gehen solche Kommentare in den Nachrichten und in den großen Medien oftmals unter. Es wird über PEGIDA berichtet, über Demos, aber nicht über diese Einzelstimmung, die ich mit meiner Arbeit einfangen wollte.“ Gerade hier sei seiner Meinung nach die Politik gefragt, die sich momentan mit Äußerungen zur Flüchtlingskrise und mit konkreten Lösungsansätzen eher zurückhalte, aber besser Gespräche und öffentliche Diskurse suchen sollte, um beispielsweise rechtskonservative Segmente nicht an extrem rechte Strömungen zu verlieren.

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Als Künstler befasst sich Alexander also mit sehr ernsten gesellschaftlichen und politischen Themen – verwurzelt ist er aber in der Skateboard- und Surfkultur. Passt das zusammen? „Eigentlich ja gar nicht, da die Surf- und Skateboardindustrie eher unpolitisch ist. Ich komme ursprünglich aus dieser Richtung. Seit 2009 bin ich Illustrator und habe für Skateboardfirmen Skateboards entworfen und liebe diese Grafiken und diese Art von Kunst. Sie ging mir dann nur einfach nicht weit genug, sodass ich mich mit ihr hätte politisch ausdrücken können.“

Die 'Ästhetik des Hässlichen' ist jedoch bei beidem sein Artiststatement: „Meine Skateboardgrafiken mögen nicht Jedem gefallen, weil ich oft Zombies und Monster male, welche objektiv gesehen nicht Jedermanns ästhetischem Empfinden entsprechen. Mich interessiert aber die menschliche Faszination am Hässlichen im Allgemeinen. Wichtig ist für mich, mit dem Mittel der Kunst, also dem Ästhetischen, Hässlichkeit zu untersuchen und Hässliches darzustellen. Krieg, Fremdenfeindlichkeit, die Auswirkungen der Flüchtlingskrise, das alles ist für mich Hässlichkeit und diese möchte ich im Werk verarbeiten und unverfälscht zeigen.“

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Doch woher kam eigentlich der Impuls, via Kunst auf die Hässlichkeit politischer Mängel und Versäumnisse aufmerksam zu machen? „Job bedingt lese ich jeden Tag die Nachrichten, von morgens bis abends im Prinzip und beschäftige mich daher auch viel mit politischen Themen. Und auf der Suche nach einem Ventil, über das ich meine Meinung und Wut über politische Missstände herauslassen kann, bin ich zur Kunst gekommen.“ Dazu nutzt er thematisch passende, ganz unterschiedliche Materialien. „Im aktuellen Beispiel 'Privateigentum – Betreten verboten' war ich auf der Suche nach einem ganz leichten Material. Es sind dann Zellophanfolien geworden, die an sich nicht wahrnehmbar sind. Dadurch wirkt das Werk subtiler, als wenn ich ein Bild oder Skulpturen in einen Raum gestellt hätte.“ Ansonsten malt Alexander auch ganz klassisch mit Acryl- und Ölfarbe, arbeitet multimedial und skulptural. „Ich mache Konzeptkunst, schwerpunktmäßig, darunter aber eben auch Malerei, wobei sich das ja alles etwas überschneidet. Momentan finde ich als Ausdrucksmedium Skulptur und Installation besonders spannend, weil ich mich damit besser ausdrücken kann, als mit der Malerei, da sie für mich eher etwas Illustratives an sich hat.“

Durch seine Konzeptkunst äußert Alexander seine Meinung, möchte sie aber niemandem aufdrücken. Daher lassen seine Werke immer einen Spielraum zur eigenen Interpretation offen. Nur so würden die Rezipienten das Gesehene auch hinterfragen und sich Gedanken zur Thematik machen. „Ich entführe den Betrachter aus seiner Komfortzone und lasse ihn in seinen persönlichen Abgrund blicken.“ Seine provokative Arbeit 'Bon Voyage', die eine Sprengstoffweste darstellt, war diesen August für den Blooom Award nominiert – seine kritisierenden Werke finden Anklang. Eine andere Werkserie, '100% natürlich', prangert den Verpackungswahn und die Lebensmittelverschwendung an, die in der heutigen Zeit vorherrschen. Hier hängen vergoldete Würste vor einer blauen Leinwand, oder ein verchromtes Steak.

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Was noch kommen wird? Im Moment arbeitet Alexander an einer multimedialen Skulptur, welche dem Rezipienten die Gefahren der Selfie-Kultur näher bringen soll. '#Selfie #ShootYourself' – es sei so viel verraten, dass sich der Betrachter durch Aufnehmen dieses Selfies sprichwörtlich selbst erschießen wird.

Alexander ist momentan noch auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten in und um Karlsruhe, in denen er seine Arbeit 'Privateigentum – Betreten verboten!' ausstellen kann: „Ein etwas intimerer, kleinerer Raum mit einer hohen Decke wäre passend, um die Installation ausbreiten, aber auch das gewollte einengende Gefühl noch spüren zu können. Ideal wäre ein öffentlicher Zugang, ein Ort, an dem viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen – eine Empfangshalle im Rathaus oder Ähnliches würde natürlich gut zur Thematik passen.“ Eine Gruppenausstellung mit anderen Karlsruher Künstlern, die sich ebenfalls mit dem Thema befassen, könnte er sich auch gut vorstellen.

Bei Interesse folgen hier die Kontaktmöglichkeiten:

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2 comments
  1. Hallo Lieblingsneffe,
    deine Webseite und der Bericht ist Klasse. Wow!!
    Liebe Grüße nach Karlsruhe,
    deine Tante Heike

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