Dark Light
Seit mittlerweile über 20 Jahren dient der Querfunk der Stadt Karlsruhe und der Region als freies Radio. Unser Redakteur Fabian Reichle hat sich im Gewerbehof am Lidellplatz mit alten Hasen und Jungspunden des Senders getroffen.

Gewerbehof

Seit mittlerweile über 20 Jahren dient der Querfunk der Stadt Karlsruhe und der Region als freies Radio. Unser Redakteur Fabian Reichle hat sich im Gewerbehof am Lidellplatz mit alten Hasen  und Jungspunden des Senders getroffen. 

Es ist 21.40 Uhr am ersten Freitag des Monats. Ich befinde mich in einer Wohngemeinschaft im 4. Stock, ganz unfern des Gewerbehofs am Lidellplatz. Es ist der Hauptspot der Niller Records-Crew. Eine Crew bestehend aus Lehrern, Musikern, Journalisten, Kindergärtnern, Elektroingenieuren u.v.m., die eines gemeinsam haben: die Liebe zur Musik und die Liebe fürs Vinyl-Sammeln. Ihr Netzwerk reicht nicht nur nach Darmstadt oder Stuttgart, sie haben auch Mitglieder in Wien und Paris. Die Base der Clique sitzt in Karlsruhe.
In ihrem Schallplattenarchiv sortieren vier Members noch die Platten, die sie in der Sendung um 22.00 Uhr spielen wollen. Einer davon, Mo, hält mir stolz ein Whitelabel entgegen: „Hab ich mir selbst gepresst, Young Krillin ft. Yung Hurn – 1 Berg Money. Die droppe ich heute als Opener der Show“.

Seit zwei Jahren hat die Crew einen festen Sendeplatz beim Querfunk. Aus Eigeninitiative haben sie einfach ein Mixtape eingeworfen und hatten bald ihren eigenen Slot. Zwei Stunden lang, von 22-24 Uhr, jeden ersten Freitag im Monat können sich die Nillers an den Drehtellern im Sendestudio des Querfunks austoben.
Ich begleite Mo, Rautzi, Leo und Chris in einen Keller im Gewerbehof. Hinter uns kommt der Hund Leica hinterhergetapst, das Maskottchen der Niller Boys. Rautzi checkt vor Beginn der Sendung, ob mit den Reglern alles stimmt und schon geht es los. Die rote Lampe, die signalisiert, dass das Mikro auf Welle ist, leuchtet auf.

Leo und Rautzi am Mic


Es war einmal…

…vor ca. zwanzig Jahren. Nachdem der Bundesverband Freier Radios (BFR) bei einer Medientagung 1993 ins Leben gerufen wurde, erblickten die ersten freien Radios in Deutschland das Licht der Welt. Ziel war es, nichtkommerziellen, basis-demokratischen Gesellschaftsrundfunk zu betreiben, der sich kritisch mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzt. Die Mitglieder des Verbandes haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Medien insbesondere denjenigen Personen und Gruppen zur Verfügung zu stellen, die gesellschaftlich marginalisiert, sexistisch und /oder rassistisch diskriminiert sind und deshalb zur herkömmlichen Medienproduktion keinen oder nur begrenzten Zugang haben. Mittlerweile zählt der BFR 32 freie Radios in Deutschland. In Baden Württemberg gibt es mittlerweile neun davon. Finanziert werden sie wie die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch durch Mittel der GEZ. Doch anders als bei herkömmlichen Sendern, wie zum Beispiel dem Südwestrundfunk, werden ihre Mittel nicht an der Hörerschaft gemessen. Das macht das „freie Radio“ zu einer ziemlich unabhängigen Sache. Jeder, der sich für das Medium Radio interessiert und Lust hat sich einzubringen, bekommt eine Chance. So ist ein freies Radio dann 1995 auch in Karlsruhe gestartet. Seitdem wird die 104,8 mHz in Karlsruhe und Region beschallt.

Martin und Thorsten mit Maskottchen Kangoo

Im Büro des Querfunks, neben Kita, Café Palaver und Radler Martin, treffe ich auf die Heads des Projekts. Martin und Thorsten sind beide schon ziemlich lange dabei. Thorsten, seit 1995 im Team, betreut die verschiedenen Sendungen und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Martin ist seit 1997 dabei und arbeitet als Medienpädagoge, leitet Workshops und betreut ebenfalls Sendungsmachende. Das große Vorbild für den Querfunk, was das freie Radio angeht, war das Radio Deyeckland in Freiburg, das schon in den 70ern als Piraten-Sender aktiv war.
Die bekanntesten Formate des Querfunks sind:

Quergelesen, eine Sendung in der politische Texte aus den verschiedensten Medien unter die Lupe genommen werden

Hörsturz, ein Musikfanatiker spielt seine Lieblingsstücke, Genre: querbeet

die große Rhythmusshow, in der hauptsächlich Neuheiten aus der elektronischen Musikszene vorgestellt werden

Doch es gibt auch Sendungen, wie die Niller Records-Show oder die Cómeme-Labelspezialsendung, die jeden Monat aus Köln hergeschickt wird. In Zukunft ist eine neue Sendungen geplant, bei der verschiedene Bürger aus der Region ihr Plattenregal vorstellen. Unter dem Namen „Radio Überfall“ wollen Martin und Thorsten so bei Karlsruher Gestalten die Bude einrennen und einen Musikcheck machen. Außerdem haben sie vor, den Querfunk Sessions neues Leben einhauchen. Das sind Konzerte, die dann live aus dem Studio ins Radio übertragen werden.

An dieser Stelle seid natürlich auch ihr gefragt. Der Querfunk lebt von den Mitmachern, von engagierten und motivierten Menschen, die Bock haben sich hinters Mikro zu stellen, um diese Stadt zu bereichern. Einmal im Monat gibt es einen Workshop, der für alle zugänglich ist (hier stehen aktuelle Termine). Wenn ihr Lust habt, diese Stadt zu unterhalten, mit guter Musik und spannenden Themen, dann meldet euch per Mail für den Workshop an (workshop@querfunk.de). Dort bekommt ihr einen Einblick ins Studio und die Arbeit beim Querfunk. Und wer weiß, vielleicht bist du kommenden Monat auch schon On Air.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert