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11223990_976113759086816_6963576274235708149_oDer Trend geht zum Selbstgemachtem, zum Kleinen, Schönen und Besonderen. In Karlsruhe eröffnen immer mehr besondere Läden, die handgefertigt und individuelle Produkten anbieten. Keine Lust mehr auf Stange und Einheitsbrei. Sabrina Kuhn ist Keramik und Porzellan-Designerin und eröffnet heute ihren Laden im entspannten Zentrum der Südstadt: dem Werderplatz. Wir haben uns mit Sabrina getroffen und über Design, Kopenhagen und Salzstreuer gesprochen.

 

Hallo Sabrina, wie geht’s? Hast du viel zu tun so kurz vor deiner Eröffnung?

Hej Konstantin, mir geht’s ganz gut, etwas aufgeregt und voller Vorfreude. Es gibt noch ein paar Dinge, die erledigt werden müssen, aber ich habe viele tolle tatkräftige Helfer, über die ich mich sehr freue!

 

Wie fing das alles bei dir an?

Schon im Produkt Design Studium hier an der HfG in Karlsruhe habe ich mich sehr viel mit Porzellan und Keramik beschäftigt und schnell festgestellt, dass Porzellan für mich eine Leidenschaft ist. Als ich dann 2012 in Kopenhagen Keramik Design studiert habe stand fest, dass ich mich dem voll und ganz verschreiben möchte.

 

Was fasziniert dich an Porzellan?

Das Material ist wunderbar, um damit handwerklich zu arbeiten. Besonders dieser Aspekt gefällt mir an meiner Arbeit sehr gut – das Handwerk. Ich mag die feine Optik und besonders auch die Haptik des Materials, so scheint es einmal wunderbar transluzent und leicht zu sein, ist aber enorm hart und fühlt sich trotzdem weich an. Und man kann Keramik auf unterschiedlichste Weise verarbeiten. Es gibt so viele tolle Techniken und Möglichkeiten! Man kann Porzellan sehr perfekt oder aber auch voller gewollter Imperfektionen gestalten und verarbeiten – das Material ist sehr eigenwillig und fordert viel Zeit und handwerkliches Können. Lampen_1

Wolltest du schon immer selbstständig arbeiten?

Nein, das hat sich einfach so ergeben. Ich hatte mir nie konkret überlegt, was ich eigentlich später arbeiten möchte, als ich noch am Anfang meines Produktdesign-Studiums war. In die Selbstständigkeit bin ich irgendwie reingerutscht und sehr glücklich nun damit, den Schritt gewagt zu haben.

 

Wie bist du zu dem Laden gekommen?

Ich wollte meine Werkstatt-Fläche vergrößern, da die Produktion mehr Platz brauchte und als ich auf der Suche nach geeigneten Räumen war, bin ich auf den ehemaligen Planet Velo Laden gestoßen. Nach kurzer Besichtigung war klar, das passt und mit etwas Glück durfte ich mich dann ganz bald, als die neue Mieterin freuen. Geplant war zum Zeitpunkt der Suche nicht, eine Ladenfläche zu mieten. Die Entscheidung kam dann recht spontan. Nun habe ich eben eine Mischung aus Werkstatt und Laden, ein schönes, helles Laden-Atelier.

 

Wolltest du schon immer deinen eigenen Laden?

Nein, nicht unbedingt. Ich freue mich aber, meinem KULØR Porzellan nun eine neue Fläche zu bieten, gesehen und auch wiedererkannt zu werden. Einfach einen neuen Schritt gehen, eine schöne Veränderung für meine Arbeit und mein tägliches Arbeitsumfeld. Nun kann man mir beim Herstellen der Produkte über die Schultern schauen!

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Warum am Werderplatz?

Nachdem ich nun seit 3 Jahren in Karlsruhe unter meinem Label KULØR Porzellan fertige, habe ich mir gewünscht etwas aus dem Verborgenen hervorzutreten, nicht mehr im Hinterhof zu produzieren. Der Werderplatz war aber keine Vorgabe bei meiner Suche nach einer geeigneten Werkstattfläche. So kam es eben zufällig, dass am Werderplatz etwas frei war, das mir gefallen hat. Zuvor war ich nicht oft in der Südstadt unterwegs, seit meinem Einzug aber fühle ich mich hier schon richtig wohl und mag es sehr hier zu sein.

 

Ist Karlsruhe bereit für Design, mit Family Tree Friends gibt es auch schon einen Design-Laden in unmittelbarer Nähe.

Ja, Karlsruhe ist definitiv bereit für Design. Nicht nur der schöne Family Tree Shop, der bislang auch mein Porzellan verkauft hat, sondern einige schöne kleine und besondere Läden, die Design, handgefertigte und individuelle Produkte anbieten beweisen, dass die Nachfrage immer größer wird und der Wunsch nach nachhaltig oder handwerklich produzierten, besonderen Produkten, die nicht von der Stange sind, wächst. Man muss noch ein bisschen was tun, damit Karlsruher auf kleine individuelle Shops und Produzenten aufmerksam werden, aber der Trend ist eindeutig vorhanden und ich freue mich sehr über ein doch recht gutes, kreatives Netzwerk in Karlsruhe.

 

Wie sehen deine Kunden in der Regel aus? Wie alt? Hipster? Omas?

Oh das ist ganz unterschiedlich, da sind alle Altersklassen vertreten. Man kann aber sagen, dass meine Kunden zu einem größeren Teil weiblich sind. Natürlich kaufen auch die Herren bei mir ein, Kaffeebecher oder Espressotassen für den guten, zelebrierten Kaffee ,aber doch dann hauptsächlich Geschenke wie Schmuck für die Liebste.

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Was würdest du jedem empfehlen, der selbst mit Keramik oder Porzellan arbeiten will?

Im KULØR Laden-Atelier werde ich nun monatlich Porzellan Workshops anbieten. Dadurch kann sich jeder Interessierte ein Bild von der Arbeit mit dem Material machen – im Workshop selbst Becher, Vasen oder Windlichter herstellen und einen Einblick in das Handwerk bekommen. Wen es dann reizt, sich selbst mit Keramik kreativ auszuleben, sollte das unbedingt tun. Es ist ein spannendes und vielseitiges „Hobby“, das jedoch aber der ein oder anderen Anschaffung für die Werkstatt bedarf!

 

Was macht für dich die Faszination des Jobs aus?

Die Vielfalt meines Jobs. Ich entwerfe und produziere meine Produkte selbst, dabei macht mir der handwerkliche Aspekt am meisten Spaß. Die Arbeit mit Porzellan ist herausfordernd, abwechslungsreich und macht mich sehr zufrieden. Es ist so schön, wenn man die Möglichkeit hat, das zu tun, was man liebt und etwas mit den eigenen Händen herzustellen.

 

Wie würdest du beschreiben was du machst?

Ich nenne mich immer ganz gerne Porzellan- und Keramik Designerin. Studiert habe ich Produktdesign, schlussendlich bin ich eher im Handwerk gelandet. Dabei kombiniere ich immer gerne beide Bereiche. Oft gehe ich eher als Produktdesignerin an neue Projekte heran, aber immer mit dem Wissen aus dem Handwerk. Mein Arbeitsalltag besteht aus vielen Bereichen. Ich muss meine Zeit zwischen Produktion, Entwurf, Marketing, Vertrieb usw. aufteilen, wobei ich aber am liebsten das Porzellan herstelle und meine Zeit in der Werkstatt mit Gießen, Glasieren, Schleifen und Brennen verbringe. Die Produkte, die dabei entstehen vereinen neue Ideen und minimalistisches Design mit klassischem Handwerk.

 

Gibt es Regeln im Design oder hast du eigene Normen für dich entwickelt?

Ja die gibt es natürlich, jedoch gehe ich selten über Regeln, Normen oder klassische Verfahren an neue Projekte oder Produkte heran. Allerwichtigste Regel für mich ist, ich mache, was mir gefällt, was meinem Geschmack entspricht und oft, was ich mir selbst wünschen oder in die Wohnung stellen würde. So fällt mir gerade auf, dass ich im Moment keine schönen Eierbecher finde, folglich kann es gut sein, dass mein KULØR Sortiment demnächst um Eierbecher, Butterdose oder Salzstreuer erweitert wird. Das Design der Produkte spricht dann meine Formsprache, es wird alles so gestaltet, wie ich es liebe – bunt und trotzdem unaufdringlich, minimalistisch und klar in seiner Form und ganz wichtig, immer fröhlich und mit einer ordentlichen Portion „Lieblingsstück-Charakter“.

 

Was ist für dich gutes Design? Form follows function?

Für mich ist Design dann gut, wenn es in mir Emotionen weckt. Produkte mit Charakter und Charme, wenn ich sehen kann, da steckt eine Person dahinter, die sich viel Mühe, Leidenschaft und Zeit genommen hat, das Produkt so zu gestalten oder herzustellen, dass ich es gerne bei mir habe und nutze. Dabei ist mir sowohl das Ästhetische als auch die Anwendung des Produkts wichtig.

 

Was wird hier in Zukunft passieren, ich meine hast du etwas geplant, außer deine Designs hier zu verkaufen?

Zum einen wird es eben im Laden-Atelier mein Porzellan geben, aber auch ausgewählte, handgefertigte Produkte von Freunden. Wie zum Beispiel mundgeblasenes Glas von Karina Wendt in tollen Farben oder ganz besondere, handgedruckte Postkarten von Bianca Ascher aka Druckspatz.

Man kann aber nicht nur Dinge hier kaufen, sondern mir auch bei der Arbeit über die Schultern schauen, da sich im Laden auch meine Werkstatt befindet. Neben den monatlich stattfinden Workshops finden auch Aktionen wie Ausstellungen oder kulinarische Events statt. Gleich beginnend mit einer Vernissage am 23. April mit wunderbaren Illustrationen und Artwork von Hannah Gahlert unter ihrem Label hope.

Es bleibt spannend, was ich mir so alles einfallen lassen werde!

 

Danke für das Interview und viel Glück mit deinem Laden in Zukunft.

 

 

 

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