Dark Light
Lisa Kränzler ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Autorin. Die Frage, warum sie sich gerade für die Malerei entschieden habe, beantwortet sie lachend: „Das stand einfach schon immer fest. Ich kann halt auch nichts Anderes“. Durch die Werke der jungen Künstlerin aus Ravensburg gibt es keinen roten Faden, im Sinne bestimmter Motive oder Themen. Bei der Schriftstellerei hingegen sieht das Ganze etwas anders aus. Ihre metaphernreichen Romane, so auch der aktuelle, Lichtfang, handeln von der Adoleszenzphase und dem Heranwachsen. Lesen und Schreiben sind für Lisa untrennbar, Malen und Schreiben letztlich auch Forschung und immer harte Arbeit. Nach ihrem Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, das sie an der Außenstelle Freiburg absolvierte, hatte Lisa immer Einzelateliers. Jetzt ist sie in einer Atelier-Gemeinschaft. Wie sie mit dieser neuen Situation umgeht, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, was für sie Kunst ausmacht und welche Künstler sie schätzt, erfahrt ihr in unserem Interview.

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Lisa Kränzler ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Autorin. Die Frage, warum sie sich gerade für die Malerei entschieden habe, beantwortet sie lachend: „Das stand einfach schon immer fest. Ich kann halt auch nichts Anderes“. Durch die Werke der jungen Künstlerin aus Ravensburg gibt es keinen roten Faden, im Sinne bestimmter Motive oder Themen. Bei der Schriftstellerei hingegen sieht das Ganze etwas anders aus. Ihre metaphernreichen Romane, so auch der aktuelle, Lichtfang, handeln von der Adoleszenzphase und dem Heranwachsen. Lesen und Schreiben sind für Lisa untrennbar, Malen und Schreiben letztlich auch Forschung und immer harte Arbeit. Nach ihrem Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, das sie an der Außenstelle Freiburg absolvierte, hatte Lisa immer Einzelateliers. Jetzt ist sie in einer Atelier-Gemeinschaft. Wie sie mit dieser neuen Situation umgeht, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, was für sie Kunst ausmacht und welche Künstler sie schätzt, erfahrt ihr in unserem Interview.

Wie sieht bei dir ein Ateliertag aus?
Die Tage sehen eigentlich alle ganz ähnlich aus. Ich fange morgens um 9.30 Uhr an und bin dann bis halb sieben im Atelier. Also dazwischen mach ich natürlich Mittagspause. Dann bin ich auch bedient. Danach will ich eigentlich auch niemanden mehr sehen und nichts mehr unternehmen. Ich hab dann genug unternommen – ich war ja dann den ganzen Tag gedanklich auf der Reise.

Hast du in Karlsruhe ein fixes Atelier?
Ja, hier in der Oststadt.

Wie empfindest du das Arbeiten in einer Ateliergemeinschaft?
Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal machen würde. Ich fand die Vorstellung ganz schrecklich, da mit anderen Leuten zu sein, mit denen man sich dann unterhalten muss, die irgendwie Kaffee trinken wollen oder einen sonst irgendwie belästigen – aber es ist überhaupt nicht so. Ich bin da jetzt mit drei Jungs. Die machen alle auch ihr eigenes Ding und es ist eigentlich mehr oder weniger so, als wenn ich allein wäre. Das ist echt gut. Jeder respektiert auch die Intimsphäre und Arbeitszeiten des anderen.

Kennst du den Letschebach oder andere Karlsruher Kunstvereine?
Also der Letschebach ist eine tolle Sache. Ich kenne da einige Leute, die das machen, weil da einige Freiburger involviert sind, also die an der Freiburger Außenstelle studiert haben, wie ich auch. Das bewundere ich sehr. Auch das Hinterzimmer. Ich bewundere das wirklich, wenn Leute da so viel Zeit und Energie investieren. Ich könnte das nicht, also für mich wäre das gar nichts. Diese ganze Organisation, die dahinter steckt. Ich meine, es ist ja super, dass es Leute gibt, die das machen. Man muss sich halt immer irgendwie entscheiden. Es sei denn, man ist tatsächlich so, dass man überhaupt keinen Rhythmus braucht und so sagen kann, ja, wenn ich Zeit habe, dann arbeite ich eben und wenn nicht, dann mach ich was anderes.

Unstrukturiertes Arbeiten funktioniert demnach bei dir nicht?
Überhaupt nicht. Ich brauche einen ganz klar strukturierten Tag, einen ganz festen Rhythmus. Meine Zeit ist klar eingeteilt: Ich muss sechs Tage die Woche meinen Rhythmus haben und von morgens bis abends im Atelier sein – dann entsteht auch was. Dann funktioniert´s. Fürs Schreiben ist das sonst absolut Gift, fürs Malen geht das vielleicht noch eher.

Für den Laien, mit was beschäftigst du dich in deinen Werken? Gibt es einen roten Faden?
Ich arbeite relativ großformatig mit Lack und Tusche auf Papier. Ich kann aber nicht sagen, ich beschäftige mich mit diesem Thema – ich male das, was für mich malbar ist. Das sind in der Regel oft Comic- oder comicartige Vorlagen und Motive, die für mich funktionieren. In der Zwischenzeit hat sich das geöffnet. Einige Jahre waren es tatsächlich ausschließlich Comicvorlagen, inzwischen ist es aber auch anderes Bildmaterial, das ich nutzen kann. Also es kommen auch Illustrationen anderer Art dazu, Abbildungen, oder Papierfiguren, also Origamifiguren. Und ich male eben das, was hängen bleibt, was mich irgendwie anfixt. Was ich sehe und denke, das spricht mich an. Das kann die Farbe oder die Form, oder die Kombination von beidem sein. Ja, wo ich denke, ich will sehen, was passiert, wenn ich das male.

Machst du dir im Vorfeld eine Vorlage, oder speicherst du dir das Bild, das du malen möchtest, in deinem Kopf ab?
Ich zeichne. Also ich mache Zeichnungen. Und ab irgendeinem Punkt wird die Zeichnung oder Vorlage dann auch überflüssig, dann braucht man sie nicht mehr. Also bei mir ist das so. Dann geht’s von allein weiter. Aber am Anfang ist das schon passend.

Und wie ist das beim Schreiben? Kannst du da sagen, dass es eine Thematik gibt, die dich besonders beschäftigt?
Die Jugendzeit hat mich in meinen letzten drei Romanen offenbar beschäftigt. In allen drei Büchern sind die Protagonisten unter zwanzig. Die Kindheit, Jugend und späte Jugend waren so die Themenfelder, die ich beackert habe. Wobei ich das gar nie als so wichtig empfunden habe. Ich hab das zwar geschrieben, aber letzten Endes kommt es ja nicht so sehr darauf an, was man schreibt, sondern wie man schreibt. Das ist auch für mich das Entscheidende. Themen sind eigentlich irrelevant. Das ist genauso wie bei der Malerei. Das interessiert eigentlich niemanden, ob ich jetzt den Schlüssel male, oder den Zucker, oder dein Gesicht. Es kommt darauf an, wie es gemacht wird. Das Wie entscheidet ja auch letztendlich darüber, ob es interessant ist, ob es jemanden berührt – oder nicht.

Wenn du jetzt sagst, die Sprache ist besonders wichtig, auf was achtest du? Benutzt du viele Metaphern, Bildsprache – oder was ist dein Stil?
Also klar, Metaphern kommen einige vor in meinen Büchern. Aber ich würde nicht sagen, dass ich darauf achte. Man schreibt eben so, wie man denkt. Man hat da nicht so viel Spielraum. Es ist wie mit der Entscheidung fürs Malen. Man kann´s halt nicht anders. Klar, man lernt dazu und man versucht, die Dinge in bestimmte Richtungen zu lenken. Aber wirkliche Entscheidungsgewalt, wirkliche Macht, hat man eigentlich nicht über die Sache. Es ist vielmehr so, dass Es schreibt, Es malt, was auch immer das ist. Der Körper wahrscheinlich.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Man fängt ja wahrscheinlich nicht einfach so mal an, einen Roman zu schreiben, oder?
Doch, eigentlich schon. Ich hab immer geschrieben, aber nicht Geschichten, oder Erzählungen oder sonst irgendwas – einfach nur geschrieben eben. Ich wollte nie Schriftstellerin werden. Aber ich hab eben immer geschrieben. Das war immer wichtig. Es war auch immer Teil meiner Arbeit. Und irgendwann kam es dann zum Roman schreiben.

Also ergänzen sich Malen und Schreiben für dich?
Es beeinflusst sich gegenseitig. Ergänzen hört sich so an, als würde dem Einen etwas fehlen, wenn das Andere nicht da wäre. Und da bin ich mir nicht sicher, ob das so ist. Der Leser liest einfach nur das Buch. Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Romane gelesen werden und dazu ein Bild von mir angeschaut werden muss. Das wäre für mich dann eher ergänzen. Es kann aber ganz klar beides separat existieren, es hat das Andere nicht nötig. Ich habe beides nötig. Aber die Sachen, die entstehen, haben sich gegenseitig nicht nötig.

Wenn du Malen und Schreiben nötig hast, kannst du sagen, das Eine ist dir wichtiger, als das Andere?
Das kann ich so nicht sagen. Naja, ich kann vielleicht sagen, dass es mich trauriger macht, wenn ich länger nicht schreibe, als es mich macht, länger nicht zu malen. Das kann ich vielleicht sagen. Aber ich weiß auch nicht, was das bedeutet. Das ist mir noch nicht so klar.

Kannst du sagen, was dich an der Kunstakademie besonders geprägt hat?
Man prägt sich selber. Man lernt anders schauen, man lernt aber auch arbeiten, man findet einige Sachen heraus. Man entscheidet selbst, was nimmt man auf, was nimmt man an, mit wem will man sprechen. Ich glaube, das entscheidet deswegen jeder selbst. Jeder entwickelt sich selbst, entwickelt so seine eigene Künstlerpersönlichkeit in Anführungszeichen, sein eigenes Werk – und das muss man auch. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass man an der Kunstakademie, gerade auch hier in Karlsruhe, darauf aus ist, die Leute in irgendeine Richtung zu pushen oder tatsächlich zu prägen.

Was ist dein Anspruch an Kunst?
Letzten Endes schafft man, schreibt man, gestaltet man Dinge, um Menschen zu berühren. Und wenn sie dann berührt werden, dann hat es wohl auch seine Berechtigung, dann hat die Sache funktioniert. Mehr geht nicht. Dann ist es auch wiederum egal, ob man mit guter Kunst berührt hat oder mit schlechter Kunst, man hat sie berührt. Man hat dadurch etwas erreicht, das man wollte. Dann ist es, wie es ist – ohne gut oder schlecht. Das spielt sich alles irgendwie jenseits dieser Kategorien ab. Das ist sowieso mein Eindruck, dass sich Kunst eigentlich auch jenseits von gut und böse, gut und schlecht bewegen sollte. Also, dass sie da stattfinden sollte, wo diese Bewertungen in der Form, also diese ganz starken Vereinfachungen, fern sind, dass es eigentlich jenseits dieser Beschränkungen stattfinden sollte und eigentlich auch etwas anderes passieren sollte, als nur diese Bewertung von gut und schlecht. Tut es aber nicht. Letztlich wird doch alles bewertet.

Kann es ohne Bewertungskriterien deiner Meinung nach eine Garantie für Kunst geben?
Aber Garantie für was – für was hätte man gerne eine Garantie? Vielleicht eine Garantie dafür, dass man hingeht und etwas erlebt, was man vorher nicht erlebt hat? Was sieht, was man so noch nicht gesehen hat? Eine Erfahrung macht? Keine Ahnung, irgendetwas, das hängen bleibt? Das ist ja auch immer die Frage: Was bleibt eigentlich hängen? Was bleibt wirklich hängen? Ich mein, man sieht so viele Sachen. Was bleibt haften, was prägt sich ein? Das ist sehr wenig. Also ich mache die Erfahrung, dass es gerade in der Malerei wirklich wenige Malereien oder Bilder gibt, die präsent bleiben. Bei Büchern ja genau so. Was hab ich gelesen und was ist mir wirklich bewusst davon? Oft steht man ja vor dem Bücherregal und denkt so, wow, das hab ich also alles gelesen. Und man denkt so, was ist das eigentlich für ein Buch? Das finde ich immer sehr schockierend, wenn man sieht, was man so alles gelesen hat und dann aber merkt, dass achtzig Prozent des Lesestoffes einfach nur so durch einen durchgeflossen ist und man das irgendwie wieder ausgeschieden hat in irgendeiner Form und gar nicht aufgenommen hat.

Ist Lesen für dich eine gute Art von Ablenkung nach einem Ateliertag?
Nee, es ist keine Ablenkung, es ist auch Arbeit. Weil Lesen ist Schreiben. Also Ablenkung ist es nicht, dafür lese ich auch die falschen Sachen. Es ist Ablenkung von der Langeweile, so wie jedes Arbeiten. Aber es ist nicht Ablenkung, im Sinne von Erholung. Ablenkung ist tatsächlich viel eher irgendeine Doku angucken oder irgendeine Talkshow im Fernsehen gucken. Markus Lanz gucken, das ist Ablenkung. Aber Lesen eigentlich nicht.

Gibt es in Karlsruhe auch Künstler, mit denen du dich vernetzt oder deren Arbeit dich beeindruckt?
Also ein Künstler, den ich sehr schätze, ist Christian Falkner, der auch das Hinterzimmer macht. Und eben auch René Stanger, der mit mir in den Räumen ist, den finde ich auch ziemlich spannend.

Du hattest schon gemeint, es ist schwierig, ein Lieblingsbuch zu benennen. Aber kannst du sagen, dass es einen Künstler gibt, den du richtig toll findest?
Philipp Geist. Das findet man auch sofort raus, wenn man sich mit ihm beschäftigt, warum. Er ist einfach großartig. Großartig, weil er Maler war, aber dazu auch die Fähigkeit hatte, tatsächlich über Malerei zu sprechen, in einer Form, die ich extrem ansprechend, extrem inspirierend und treffend finde. Das ist eben ein Aspekt, den ich zusätzlich ziemlich wichtig finde. Natürlich sind das zwei verschiedene Baustellen, aber ich finde es immer toll, wenn es Künstler gibt, die einerseits großartige Malereien machen und aber andererseits auch dazu fähig sind, das was sie tun in Worte zu fassen. Es gibt schon einige, die das konnten, aber manche sind halt auch einfach zu tot. Es sind zu viele Jahrhunderte vergangen, als dass man jetzt wüsste, ob sie sich und wie sich sich darüber geäußert haben oder hätten.

Ist in nächster Zeit eine Ausstellung geplant, auf der sich Interessierte deine Werke anschauen können? Oder bist du an einem neuen Roman dran?
Momentan läuft in Dresden eine Gruppenausstellung in der Galerie Gebr Lehmann, in der ich dabei bin. Ansonsten ist jetzt gerade akut nichts geplant. Auf der Art Cologne werde ich wahrscheinlich noch sein. Aber eine Einzelsache steht jetzt gerade nicht an. Ich hatte ja erst von November bis Januar eine große Einzelausstellung in Berlin und jetzt ist erst einmal Arbeiten angesagt. Ja. Und ich habe 2012, 2013, 2014 Romane veröffentlicht, ich habe den Markt etwas übersättigt. Jetzt soll man erstmal die Sachen lesen, die da sind. Aber klar, arbeiten tu ich immer an irgendetwas. Wenn das irgendwann nicht mehr so ist, dann sieht es schlecht aus.

>Lisas aktuelle Ausstellung in der Galerie Gebr Lehmann
>Lisas Roman ‘Lichtfang’

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