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Karlsruhe ist reich an Kunst, Kultur und Kreativität. Ein Name, den man hierbei nicht übersehen kann, ist Nemanja Šarbajić: Als freischaffender Künstler, Gründungsmitglied des Kollektivs Nordbecken und Teil weiterer spannender Initiativen spielt er in der hiesigen Kunstszene eine aktive Rolle. Die Wörter, mit denen er seinen Schaffensprozess beschreibt, sind bezeichnend für seine Malereien: Faszination, Improvisation, Obsession. Welches Ziel Nemanja mit seinen Arbeiten verfolgt, was er Kunststudierenden raten würde, wie die aktuelle Situation im Studio Nordbecken aussieht und welche Veränderungen er sich für den Karlsruher Kunstbetrieb wünscht, erfahrt ihr in diesem Interview.

Karlsruhe ist reich an Kunst, Kultur und Kreativität. Ein Name, den man hierbei nicht übersehen kann, ist Nemanja Šarbajić: Als freischaffender Künstler, Gründungsmitglied des Kollektivs Nordbecken und Teil weiterer spannender Initiativen spielt er in der hiesigen Kunstszene eine aktive Rolle. Die Wörter, mit denen er seinen Schaffensprozess beschreibt, sind bezeichnend für seine Malereien: Faszination, Improvisation, Obsession. Welches Ziel Nemanja mit seinen Arbeiten verfolgt, was er Kunststudierenden raten würde, wie die aktuelle Situation im Studio Nordbecken aussieht und welche Veränderungen er sich für den Karlsruher Kunstbetrieb wünscht, erfahrt ihr in diesem Interview.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Nemanja Šarbajić und ich bin Künstler.

Du bist in Sarajevo in Bosnien Herzegowina geboren und hast dann einige Jahre in Braunschweig an der Hochschule der Bildenden Künste Kunst studiert. Warum dann Karlsruhe? Was hat dich hierher verschlagen und was hat dich über die Jahre hier gehalten?

Meine Familie ist während des Bosnienkrieges nach Deutschland gekommen. Wir sind in die Nähe von Karlsruhe gezogen, weil mein Vater dort schon eine Arbeit hatte. Ich bin in Waldbronn und Karlsbad aufgewachsen und wurde dort auch sozialisiert. Nachdem ich an der HBK Braunschweig einige Jahre studiert hatte, kam ich nach Karlsruhe zurück um mit meinen Freunden was zu starten.

Wann hast du dich dazu entschieden, Künstler zu sein und warum hast du dich für diesen Weg entschieden?

Wie für viele aus meiner Generation war für mich Graffiti der Einstieg in die Kunst.

Es war keine bewusste Entscheidung sondern eher ein Gefühl, raus zu gehen und zusammen zu malen. Daraus ist dann alles andere entstanden.

Wie würdest du deine Kunst beschreiben? Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken und vermitteln?

Ich möchte in meiner Arbeit soweit es geht frei von Konzeptionen bleiben und versuche den Entdeckungen zu folgen, die sich aus der Kombination von Bildträger und im weitesten Sinne „Malzeug“ ergeben. Mein Interesse an Formen und Strukturen treibt mich an, fortwährend neue Zusammenhänge zu suchen, wobei ich durch Zufälle und Fehler, die mich zur Improvisation zwingen, abermals zu neuen Möglichkeiten des Ausdrucks finde. Durch meine Neugier und die schiere Unwiederholbarkeit der einzelnen Arbeit, bleibt es mir gestattet, mich stets auf das immer Andere zu konzentrieren.

“Kunst ist für mich eine Obsession, die schwer zu beschreiben ist.”

Was reizt und begeistert dich grundsätzlich an Kunst?

Ich fühle eine physische Anziehung, jeden Tag in mein Atelier zu gehen und zu malen.

Was macht für dich „gute Kunst“ aus? Welchen Anspruch sollte gelungene Kunst erfüllen?

Für mich sollte Kunst originell sein und auf mehreren Ebenen funktionieren.

Wie siehst du rückblickend dein Studium an der Kunsthochschule? Was war positiv und was durftest du mitnehmen? 

Meine Zeit im Studium war ziemlich wild. Das, was mir am meisten gebracht hat, waren die Gespräche und die Zusammenarbeit mit meinen Mitstudent*innen. Es war wichtig für mich zu sehen, dass es super viele Betrachtungsweisen von Kunst gibt.

Welche Aspekte sind dir während des Studiums negativ aufgefallen? Was hast du an der Hochschule vermisst, was hätte besser laufen können?

Bei meinem Studium waren die Strukturen ziemlich autoritär und alles war hierarchisch aufgebaut. Damit hatte ich meine Probleme. Außerdem sehe ich es kritisch, dass viele der Kunstlehrenden keine pädagogische Ausbildung haben und sich auch nicht dafür interessieren. Bis heute ist der Kunsthochschulbetrieb stark geprägt von Machtstrukturen. 

Welchen Tipp würdest du aktuellen Kunststudent*innen geben, die davon träumen, nach dem Studium von der Kunst leben zu können?

Auf jeden Fall sich schon von Anfang an zu vernetzen und selbst Initiative zu ergreifen, egal ob es Ausstellungen sind, ihre eigenen Ateliers und Freiräume zu finden, wo sie sich dann ihren eigenen Namen aufbauen können. Wichtig finde ich, sich von den alten Wegen zu emanzipieren, wie man Kunst macht, wie man sie verkauft, wo man sie ausstellt etc. Von der Kunst zu leben ist vielleicht der falsche Ansatz. Anders formuliert: Es geht für mich darum, gute Kunst zu machen und das “davon leben” wird damit hoffentlich kommen. 

Wie würdest du einem Laien den Kunstbetrieb erklären?

Der Kunstbetrieb ist wie jeder andere auch. Es geht um ganz viel Arbeit, um Kundenakquise, Vertrauen, Ehrlichkeit, Disziplin, Leidenschaft, Ausdauer. Dabei ist der Kunstbetrieb ganz klar vom Kunstmarkt zu trennen. 

Wie würdest du die aktuelle Situation des Kunstbetriebs in Karlsruhe beschreiben? Bist du mit der Lage zufrieden oder könnte sich etwas verbessern?

In Karlsruhe gibt es unglaublich viel gute Kunst. Es wird sehr viel produziert und ausgestellt. Die Stadt ist voller guter Künstler*innen jeden Alters und es kommen mehr und mehr nach durch die Akademie und die HfG. Was fehlt sind mehr Möglichkeiten für die Künstler*innen, ihre Arbeiten zu verkaufen. Es fehlt auch an bezahlbaren Atelierplätzen.

Was würdest du dir von der Stadt Karlsruhe wünschen: Wie kann sie positiven Einfluss auf die Karlsruher Kunstszene nehmen?

Die Stadt Karlsruhe macht schon einiges für die Kunstszene in der Form, dass sie zum Beispiel Off-spaces fördert, jedoch könnte das noch mehr geschehen. Wünschenswert wäre, dass die Stadt eigene Räumlichkeiten für Atelierplätze zur Verfügung stellen würde und das zu regulierten Mietpreisen. Man könnte auch mal das Hafenareal für den offiziellen Betrieb von Kunstschaffenden öffnen, weil es dort immer wieder Leerstand gibt, der auf jeden Fall von Künstler*innen benutzt werden könnte.

In Karlsruhe gibt es zahlreiche aktive Initiativen, die einen wertvollen Beitrag leisten. Welche Initiativen würdest du hier hervorheben, weil du mit ihnen in Verbindung stehst oder weil du ihr Engagement besonders schätzt?

Ich bin verbunden mit dem COLA TAXI OKAY, das einen wichtigen Beitrag für die Integration von Menschen in die Karlsruher Gesellschaft leistet. Ich bin auch ein Teil des Künstlernetzwerks ato.black, das eine sehr spannende neue Vision der Kunst- und Kulturwelt hat. Außerdem gibt es die Anstoß e.V., die extrem coole Projekte in der Stadt organisiert, seien das Partys, Ausstellungen, Leseclubs etc. Das Kavantgarde ist eine wichtige Informations-Plattform für Kunst und Kultur.

Was mir noch einfällt ist das Kohi, das P8, das Luis Leu, Projektraum pool, der Kunstverein Letschebach und das Künstlerhaus Karlsruhe BBK.

Du bist Teil des Nordbecken. Wie würdest du das Nordbecken beschreiben? Was passiert dort?

Das Nordbecken ist eine Ateliergemeinschaft und ein Künstlerkollektiv im Karlsruher Rheinhafen. Wir produzieren unsere Kunst dort, organisieren Ausstellungen und Kunstfestivals.

Welche Rolle hast du im Nordbecken inne? Welche Personen sind sonst noch Teil davon und in welcher Form sind sie dort aktiv?

Ich bin ein Gründungsmitglied des Kollektivs und ein Teil der Ateliergemeinschaft. Es sind noch viele wichtige Personen im Nordbecken involviert. Für mehr Infos kann man auf unsere Homepage gehen.

Ihr steht im Nordbecken aktuell vor einer unsicheren Zukunft, da das Gebäude zum Verkauf steht. Da ihr nicht sicher seid, ob der neue Eigentümer euch wohlgesinnt ist, habt ihr euch mit einem offenen Brief an die Stadt Karlsruhe gewendet. Was ist seitdem passiert und wie sieht die aktuelle Situation im Nordbecken aus? 

Wir haben eine gute Resonanz auf unseren offenen Brief bekommen, mehr ist aber bis jetzt nicht passiert. Eine positive Nachricht ist, dass es noch mehr Kaufinteressenten für das Nordbecken Gebäude gibt, die uns wohlgesinnt sind. 

Was würdest du dir für das Nordbecken wünschen? Welche Szenarien spielt ihr gerade durch? Wie könnte eine Zukunft im Nordbecken aussehen?

Ich würde mir wünschen, dass es das Nordbecken noch mindestens hundert Jahre gibt und dass noch ganz viele Künstler*innen die Räume nutzen können und die einzigartige Atmosphäre am Hafen genießen können. 

Unabhängig vom Ausgang der Situation im Nordbecken: Wo siehst du dich als Künstler in einigen Jahren? Gibt es Ziele oder Projekte, die du gerne noch erreichen oder umsetzen möchtest?

Ich würde gerne meine Kunst immer besser und besser machen, noch mehr ausstellen, noch mehr Ausstellungen organisieren und mit anderen Künstler*innen gemeinsam Projekte verwirklichen.

Danke für deine Antworten und den Einblick in deine Welt. Die abschließenden Worte gehören dir. Wenn du noch einen Aufruf oder ein Shoutout ins World Wide Internet schicken möchtest, let’s go!

“Meet new friends, keep the old, one is silver the other is gold.”

Künstler / Projekt

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Team

Redaktion: Jakob Siegmund, Melina Lanz

Fotos: Karla Maria Wieland, Linus Muckel

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