Dark Light

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Wer die Karlsruher Musikszene über die Jahre aufmerksam verfolgt hat, dem wird der Name Mars durchaus geläufig sein. Als Rapper machte er sich u.a. durch zahlreiche Auftritte in ganz Deutschland mit seinem Soloalbum “Der Kampf mit sich selbst” Mitte des letzten Jahrzehnts auch überregional einen Namen als einer der ernstzunehmendsten Wortschmiede aus der Fächerstadt.

Doch auch fernab der Bretter, die die Welt bedeuten, bastelte Moritz Schneider, wie Mars mit bürgerlichem Namen heißt, an einer anderen, wenn auch nicht minder kreativen Karriere. An der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studierte er Film und Medien, wobei er sich auf Animationsfilm spezialisierte. Dieses Studium schließt er nun mit seinem Diplomfilm “HARALD” ab. Der Plot des Kurzfilms ist schnell zusammengefasst: Harald ist zwar Wrestler und bärenstark, aber gleichzeitig auch die personifizierte Lethargie mit einem Faible für Blumen. Die Hoffnung auf ein frühes Happy End wird jedoch im Keim durch Haralds Mutter erstickt. Diese ist gleichzeitig seine Managerin und peitscht ihren Schützling mit allen Mitteln zu immer neuen Erfolgen.

Wie die Idee zu Harald entstanden ist, wie die Produktion eines Animationsfilms abläuft und ob er auch Menschen aus Fleisch und Blut vor die Linse bekommt, erzählt uns Moritz Schneider im Interview.

In Karlsruhe kennt man Dich vor allem als Rapper. Was hat Dich dazu inspiriert, Animationsfilme zu drehen?
Die ersten Daumenkinos und Legofilme habe ich schon zu Schulzeiten gemacht. In meiner Jugend habe ich gefühlt sechshundertmal so viele Comics wie Bücher gelesen. Als später dann noch die Möglichkeit dazukam, Sound am Computer zu machen, war es für mich mehr oder weniger klar, dass Animationsfilm die richtige Symbiose aus all diesen Elementen ist.

Du bist in einem Künstlerhaushalt aufgewachsen. Wann hast Du beschlossen, dass Du selber Künstler werden und kreativ arbeiten willst?
Es gab eigentlich keinen Zeitpunkt zu dem ich beschlossen habe, dass ich kreativ arbeiten will. Etwas anderes stand nie zur Debatte. Im Gegensatz zu meiner Figur Harald musste ich dafür nichts gegen den Willen meiner Eltern unternehmen. Das ist das Gute, wenn man in Künstlerhaushalten aufwächst.

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Wie kam die Idee zu “HARALD”? Bist Du in Deiner Kindheit oft nachts heimlich aufgestanden, um Wrestling zu schauen?
Als Kind habe ich mich etwa ein Jahr lang für Wrestling begeistert. Das Rosa von Haralds Anzug geht auf Bret “The Hitman” Hart zurück. Die Idee zum Kurzfilm hatte ich irgendwann mitten im Studium aus einem Moment heraus: ein Wrestler, dessen Mutter ihn managt, der aber gar keine Lust zu kämpfen hat. Als es dann auf das Diplom zuging, ist mir aufgefallen, dass ich nur wusste, was die Hauptfigur nicht will. Also habe ich überlegt, was Harald will und kam auf die Idee mit den Blumen. Das war zwar zunächst ziemlich kalkuliert, nach dem Prinzip “was ist der größtmögliche Kontrast?”, hat sich aber richtig angefühlt. Es ging mir nicht nur darum, einen animierten Film über Wrestling zu machen, aber für die Animation bietet das Setting natürlich gute Voraussetzungen.

Kannst Du einem Laien in wenigen Sätzen erklären, wie die Produktion eines Animationsfilms abläuft?
Wenige Sätze wird schwierig, allein wegen den vielen englischen Begriffen, die ich umschreiben muss, aber ich will es versuchen: Der Begriff Animationsfilm umfasst viele Spielarten, es gibt Puppentrickanimation, Knetanimation, Legetrickfilm, Pixelation, Zeichentrickfilm, Sandanimation, 3D-Animation, Machinema und nicht zuletzt Visual Effects im Realfilm. Wenn man nach dem großen Anteil der Effekte in heutigen Kino-Blockbustern geht, sind das streng genommen auch Animationsfilme. Je nach Art unterscheidet sich die Produktion solcher Filme in ihrer Machart voneinander. Grundsätzlich gibt es aber meist ein Drehbuch, das man zur Planung im Vorfeld versucht als Storyboard umzusetzen. Ausgehend vom Storyboard wird dann das sogenannte “Animatic” erstellt. Das ist ein sehr holpriger Film der schon annähernd die finale Länge hat und aus dem Zusammenschnitt von Storyboard-Bildern und weiteren Skizzen besteht. Der Sinn davon ist es, Handlung, Emotionen und Kamerawinkel so zu visualisieren, dass man frühzeitig einen Eindruck davon bekommt, ob die Geschichte durch die Bilder gut transportiert wird. Dadurch stellt man sicher, dass später kein unnötiger Überschuss an Bildern produziert wird, der dem finalen Schnitt zum Opfer fällt. Im Gegensatz zum Realfilm wird der Animationsfilm nicht “gedreht”, sondern meist jedes der zwölf bis 48 Einzelbilder pro Sekunde einzeln hergestellt.

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Okay, so viel zur Theorie. Wie sah das bei HARALD in der Praxis aus?
Im Fall eines 3D-Animationsfilms wie HARALD werden in der Vorproduktion noch die Character und Gegenstände designt, bevor sie in der eigentlichen Produktion dann im Rechner dreidimensional modelliert, mit Gelenken versehen und schließlich durch die Aneinanderreihung zeitlich aufeinanderfolgender Körperposen zum Leben erweckt werden. Der Computer hilft dabei, die Einzelzustände der Bewegung als Vorschaufilm anzuzeigen, erstellen muss der Character-Animator aber jede Pose einzeln. Damit der fertige Film später nicht wie die Vorschaufilme bloß in grau erscheint, müssen für alle 3D-Modelle noch Farben, Materialeigenschaften und die Oberflächenbeschaffenheit zugewiesen und Lichtquellen in die virtuellen 3D Sets gesetzt werden. Im “Rendering” wird dann der Film Bild für Bild aus allen eingespeisten Daten errechnet. Manche Bilder sind so komplex zu berechnen, dass sie aus Zeitgründen nicht als ganzes Bild gerendert werden, sondern ihre Einzelbestandteile separat errechnet und gespeichert werden. Diese werden dann im “Compositing” als einzelne Ebenen, wie in der digitalen Fotomontage, bloß mit bewegten Bildern, zu einem Film zusammengesetzt. Dort können auch noch Effekte hinzugefügt und Farbkorrekturen vorgenommen werden. Die einzelnen Arbeitsschritte werden meistens von verschiedenen Leuten parallel gemacht und an einem gewissen Punkt zusammengeführt. Einige Schritte sind auch abhängig von anderen vorangegangenen, von daher ist es in der Produktion extrem wichtig, als Team zusammenzuarbeiten und Fehler vor allem am Anfang der Kette zu vermeiden.

Das klingt nach einem Haufen Arbeit. Wie lange habt ihr an HARALD gearbeitet?
Ab der ersten Idee hat es zwei Jahre und drei Monate gedauert. Für sechs Minuten Spielzeit nicht wenig, aber in der Animation tickt die Zeit anders.

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Du bewirbst dich mit dem Film gerade auf Festivals. Was sind das für Festivals? Was erwartet man denn als Regisseur von der Teilnahme an solchen Festivals?
Genau, es handelt sich dabei um Kurzfilm- und Animationsfilmfestivals, manchmal gibt es auch größere Festivals, bei denen separate Blocks für Kurz- und Langfilme laufen. Als Regisseur hat man auf diesen Festivals die Möglichkeit, den Film in unmittelbarer Interaktion mit dem Publikum zu erleben und so auch direktes Feedback zu bekommen, welche Stellen ankommen und welche weniger gut funktionieren. Es gibt meist auch einen Wettbewerb und es werden Preise vergeben. Selbst wenn es nicht immer Geldpreise gibt, der Gewinn eines Festivalawards ist immer eine gute Referenz und bestätigt die eigene Arbeit. Das hilft unter Umständen bei der Finanzierung von zukünftigen Filmprojekten durch Filmförderungen.

Gibt’s den Film bald auf YouTube zu sehen? Oder vielleicht sogar in einem Karlsruher Kino?
Bei YouTube wird es den Film in voller Länge nicht zu sehen geben. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Filmakademie ihren Anteil an Rechten an dem Film hat. Zum anderen ist es im Interesse der Filmfestivals, exklusive Filme zu zeigen, die man nicht schon aus dem Internet kennt. In Karlsruhe wird man den Film beim 3-D-Symposium im Rahmen des Beyond Festivals im ZKM (03.-06. Oktober 2013, Anm. d. Red.) sehen können.

Machst Du nur Animationsfilm-Projekte oder hast Du auch ab und zu mal Menschen aus Fleisch und Blut vor der Kamera?
Früher habe ich Musikvideos gemacht, dazu komme ich jetzt kaum mehr. Vor der Kamera also nicht mehr, aber bei der Arbeit als 3D-Artist an VFX-Projekten, wo es um die Kombination von Computer- und Realfilmelementen geht, landen auch echte Menschen auf meinem Bildschirm. Prominentestes Gesicht bisher war Jamie Foxx, da habe ich an “White House Down” mitgearbeitet.

Wie geht’s Deiner Karriere als Musiker? Leidet die sehr unter deiner Arbeit als Regisseur oder ist da was geplant?
Wenn du mit “Karriere” meinst, dass ich wie früher jedes Wochenende ein oder sogar zwei Auftritte habe, dann ja, auf jeden Fall. Vor ein paar Wochen war ich aber in Köln, dort habe ich mit David Floyd und Tatwaffe von Die Firma ein Musikvideo gedreht, das bald rauskommen wird.

www.harald-film.com
www.facebook.com/haraldfilm

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