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Im September 2011 sah sich die Nationalgalerie in Sarajevo aus Mangel an finanziellen Mitteln gezwungen, die Türen für ihre Besucher zu schließen. Der Grund dafür liegt vornehmlich in der ungeklärten Lage hinsichtlich Finanzstrukturen für staatliche Kultureinrichtungen in Bosnien-Herzegowina. Fragen, die nun aufkommen sind: Was passiert wenn es kein Geld mehr für Kultur gibt? Sind es „nur ein paar Bilder“, die nicht mehr zugänglich sind oder geht es um viel mehr? Diesen Fragen nahm sich die HFG-Studentin Silvia Posavec in ihrer Diplomarbeit in Form einer Ausstellung an, die noch bis heute Abend (Mittwoch den 27.06.2012) im Casino (Brauerstraße 2) geöffnet ist. Wir haben mal nachgefragt:

Ausführliche Informationen zur Finissage gibt es hier.


Bericht + Interview: Jennifer Hettesheimer
Fotos: Nico Kolb (Stil In Karlsruhe)

Bilder suchen ein zu hause

Könntest du deine Ausstellung in wenigen Worten beschreiben?

„Bilder suchen ein zu Hause“ ist eine Ausstellung, die einen sehr dokumentarischen Ansatz hat. Es geht um die Schließung der Nationalgalerie in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina.

Das Land hat keine staatlichen Kultureinrichtungen mehr. Konkret geht es im Fall dieser Galerie, um 6000 Bilder, die man jetzt nicht mehr anschauen kann. Ich bin ein halbes Jahr nachdem sie geschlossen wurde hingefahren, um mit Leuten zu reden und herauszufinden – was fehlt, wenn die Kunst fehlt! In zehn Interviews kommen die Leute der Galerie, Künstler, Studenten und freie Kulturschaffende zu Wort und plaudern aus dem Nähkästchen. Das interessante dabei ist, dass die Angestellten der Nationalgalerie immer noch zur Arbeit gehen, obwohl die Galerie ja geschlossen ist und sie kein Gehalt mehr bekommen. Ebenso spannend ist, dass sich nur wenige dafür eingesetzt haben die Galerie zu erhalten.

Wie bist du auf das Thema aufmerksam geworden? Hast du einen persönlichen Bezug dazu?

Ich habe mein Auslandssemester in Sarajevo an der Kunstakademie verbracht und da meine Eltern aus Kroatien kommen, spreche ich auch die Sprache. Als ich letztes Jahr, unmittelbar nach der Schließung der Galerie, in Sarajevo Freunde besuchen war, habe ich von der Schließung mitbekommen. Im Gespräch mit ihnen habe ich dann gemerkt, dass komische Dinge ablaufen. Bei mir sind Fragen aufgekommen wie: Weshalb wird nichts unternommen? Wie kann es überhaupt so weit kommen?

Ich wollte unbedingt etwas zu diesem Thema machen! Auch, da ich einen Einblick in die Lage habe, aber trotzdem immer Außenstehende bleiben werde!

War dir von Anfang an klar, wie du das Projekt umsetzen wirst?

Nein. Das Thema hat so viele Facetten, ich habe an die unterschiedlichsten Sachen gedacht. Irgendwann war mir dann aber klar, dass ich eine Ausstellung über eine geschlossene Ausstellung machen will. Ich habe lange mit mir gerungen und habe nach dem richtigen Medium gesucht, das die Inhalte so einfach und authentisch wie möglich übermittelt. Letzten Endes sind es Videointerviews geworden, die ich mit der Hilfe von zwei Freunden, Michael Rybakov und Chrisof Rath umsetzten konnte.

War es schwierig, Interviewpartner zu finden? Und konntest du diese leicht für das Projekt gewinnen?

Die erste Schwierigkeit war, dass ich von Deutschland aus so gut wie nichts für die zehntägige Reise vorbereiten konnte, bei der ich meine Interviews filmen wollte. Ich habe der Galerie geschrieben, Künstler und Professoren angerufen, die Antwort war immer die gleiche: Melde dich doch wenn du in Sarajevo bist, dann sehen wir weiter! So kam es dazu, dass ich erst vor Ort die Termine für die Interviews ausmachen konnte. Generell waren die Leute jedoch bereit mit mir zu reden. Nach jedem Interview habe ich mich weiterempfehlen lassen – habe gefragt, wen ich denn noch interviewen könnte – so haben sich dann noch weitere Kontakte ergeben.

Bilder suchen ein zu hause
Hast du vor das Projekt noch weiter zu entwickeln?

Ich werde die Interviews, nachdem die Ausstellung vorbei ist, auf der Homepage zeigen. Die Ausstellung als solche wird gleich im Anschluss, an diese hier in Karlsruhe, in einer kleineren Form nach Izmir, in die Türkei reisen.

Hast du geplant die Ausstellung auch in Sarajevo zu zeigen?

Auf jeden Fall möchte ich „Bilder suchen ein zu Hause“ auch in Sarajevo zeigen. Im September ist die Galerie ein Jahr geschlossen und ich fände es schön, die Ausstellung pünktlich zum Jahrestag der Schließung in Bosnien-Herzegowina zu eröffnen. Dafür fehlen mir allerdings noch Mittel, dass ich diese in Sarajevo auftreiben kann bezweifle ich jedoch. Das ist dann mein nächstes Projekt…

Wo und bis wann kann man deine Ausstellung noch besuchen?

Der Ausstellungsraum wird ‘Casion’ genannt. Er ist an der Ecke Brauerstraße/Gartenstraße, gleich gegenüber der Tankstelle.

Brauerstraße 2
76135 Karlsruhe
Geöffnet ist jeden Tag von 19 bis 24 Uhr.
Finissage ist am 27.06.2012. Abschließend wird ab 23 Uhr gefeiert!
Alle sind herzlich eingeladen!


Bericht + Interview: Jennifer Hettesheimer
Fotos: Nico Kolb (Stil In Karlsruhe)

Ausführliche Informationen zur Finissage findet ihr hier…

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