Dark Light
Was für ein bekackter Name! Dr. Kackfisch schmeißt die dicksten Trashpartys im Ländle (“I LOVE TRASH”) und hat ganz herrlich einen an der Klatsche. Wir verbrachten gemeinsam mit seinem Buddy Art DeCore einen Nachmittag mit ihm. Es war super witzig und super spannend, eines ist ganz sicher: Kacki kann Circus Halligalli!

Dr. Kackfisch erscheint überpünktlich zum Interview, hat seinen Buddy Patrick aka Art DeCore als Unterstützung dabei. Er hat Zeit mitgebracht, freut sich auf unser Gespräch, da hatte ich schon unfreundlichere Begegnungen. Kackfisch hat eine imposante Statur, so ganz ohne Verkleidung fällt der Stiernacken erst so richtig ins Auge. Sein Protegé trägt eine deutliche MC-Fitti-Assoziation im Gesicht, lässt meine Schelmereien darüber bereitwillig über sich ergehen. Gemeinsam veranstalten die beiden seit Jahren die legendären „I LOVE TRASH“ Partys im Karlsruher Umkreis. Dort spielt Kackfisch unter verschiedensten Mottos, von der Bad-Taste- bis zur Flower-Power-Party, Trash-Hits der 80er, 90er und von heute. Seine Partys im Karlsruher Liebstöckl oder im Pforzheimer Salt&Pepper haben mittlerweile absoluten Kultstatus. „Kackfisch Entertainment“ nennt sich seine Firma, davon leben kann er längst. Art DeCore hilft bei Design und Fotografie, schießt die berühmten Fischoptikfotos bei Kackis Feten. Ich hole drei Club Mate aus dem Kühlschrank und es entwickelt sich sofort eine muntere Plauderei, über dies und jenes. Meine Vorbereitung ist ziemlich schnell für den Eimer, denn wir quatschen nach Herzenslust über Gott, die Welt und vor allem Feierei. Es sei erst sein zweites Interview betont der DJ, noch bevor wir so richtig loslegen, ein wenig aufgeregt sei er ja schon. Kaum zu glauben: Kacki der volltätowierte Trashpartykönig mit der bulligen Statur hat Schiss vor meinen Fragen. Ich beruhige ihn, einfach mal lockermachen, meiner Sympathie für ihn tut seine Aufregung keinen Abriss, er ist ein ganz und gar angenehmer Zeitgenosse, das merkt man sofort.


Foto: Art DeCore

Das Gespräch beginnt mit einer kleinen Anekdote meinerseits: Als ich kürzlich in meiner Mühlburger Wohnung auf dem Balkon stand, fuhren zwei Typen auf dem Fahrrad an mir vorbei, beide trugen ein T-Shirt mit der Aufschrift „KACK EY“, geschrieben wie der berühmt-berüchtigte „OBEY“-Schriftzug. Mir war klar, dass Kackfisch dahinter steckt, aber dass die Leute mittlerweile im Partnerlook sein Merch tragen, darüber mussten wir gemeinsam schmunzeln. Über 7500 „KACK EY“-Sticker hat der DJ bereits unters Volk gebracht, in seinem Shop verkauft er T-Shirts, Beanies, Aufkleber, Feuerzeuge und weiteres. Auf den weißen „KACK EY“-Shirts ist Art DeCores Konterfei, bzw. sein Gesichtshaar abgedruckt. Ich beschließe, mir ein T-Shirt zu kaufen, leider hat Kacki nur Größe M dabei und ich bin schon wieder dicker geworden.

Ich will wissen, was „I LOVE TRASH“ von anderen Veranstaltungen, vor allen Dingen den vielen 90er-Partys, die seit einiger Zeit aus dem Boden sprießen, unterscheidet. Häufig ist es dort so, meint Kackfisch, dass der DJ sich bewusst versteckt und mehr oder weniger einfach ein paar 90er-Hits runterrattern lässt. Er persönlich hält gar nichts davon, er sieht sich als Animateur für das Publikum, er dekoriert die Clubs in denen er spielt selbstständig dem Thema entsprechend, bastelt dabei viel im DIY-Verfahren, stellt kleine Giveaways her, die jeder Gast bekommt. Für verschiedene Mottos verkleidet er sich entsprechend, bastelt im Notfall auch mal seine Yoda-Ohren für die Star-Wars-Fete selbst. „Er hat ein Mikro, geht auf das Publikum ein“, sagt Art DeCore. „Ich bin mehr als Entertainer unterwegs“, meint Kacki, „Ich spiele eigentlich mit dem Publikum und das macht halt sau viel aus.“ Der Charakter seiner „I LOVE TRASH“ Partys hat mit stupider Großraumfeierei nichts zu tun, auch wenn der Trash im Vordergrund steht. Es geht um das gemeinsame Erleben, um das freudige Miteinander und Kacki lässt sich da nicht lumpen, dahingehend sind seine Feten das Maß aller Dinge. Das Publikum dankt es ihm, seine Events sind stets übervoll und trotz der Musik aus vergangenen Jahrzehnten ist der Altersschnitt stabil jung. „Wir finden es so toll, dass ihr diese beschissene Musik spielt, wir sind einfach zu jung und haben das damals gar nicht mitbekommen“, meinte einmal ein anfangzwanzigjähriger Gast, erklären Kacki und Arti. „Mein Geheimrezept, damit bekomme ich jeden auf die Tanzfläche“, verrät Kackfisch, „sind die Backstreet Boys.“ Aus Recherchegründen besuchte er gar kürzlich ein Konzert der ewigen Bubis in der Mannheimer SAP-Arena. Dr. Kackfisch meint das ernst, er lebt seine Idee vom Trash, auf dem Weg zum Interview hat er die Vengaboys im Auto aufgedreht. „Angels“ von Robbie Williams ist einer der weiteren Oberkracher bei „I LOVE TRASH“.


Foto: Art DeCore

Privat hören die beiden ganz andere Musik, beide sind waschechte Hardcorer, Kackfisch lebt sogar seit über einem Jahrzehnt straight edge. Der Kontrast zwischen dem Privatmann und dem irren Feierspacko Kackfisch ist äußerst angenehm, bewahrt ihn wohl vorm abheben. Als Straightedger steht Kacki natürlich als einziger zwischen lauter Besoffenen, wenn er hinterm DJ-Pult die Platten dreht, er könne zwar mit Alkohol für sich persönlich nichts anfangen, aber er habe sich an die trinkend feiernde Crowd gewöhnt. Wir einigen uns auf das Recht auf einen Rausch, jeder nach seiner Fasson. 2001 hatte Kacki Stress mit der Justiz, Drogen spielten dabei eine Rolle. Er schämt sich nicht, das zuzugeben. Seither aber hat er Drogen, Alkohol und Zigaretten ganz und gar abgeschworen. Arti handhabt es da völlig anders und erklärt die Notwendigkeit von ein paar Bierchen als rechte Hand Kackis auf der Tanzfläche. „Je betrunkener ich werde, desto besser werden meine Fotos“, lacht er. Zurück zur Musik: Kackis erste CD war AC/DCs „Highway to hell“, über Metallica (deren Logo er auf seinen Kinderzimmerteppich sprühte) und Konsorten kam er schließlich zum Hardcore, war selbst in zwei Hardcore-Bands aktiv, einmal als Schlagzeuger, einmal als Sänger. Er freue sich besonders, erzählt Kackfisch, wenn auch mal Leute mit einem Cannibal-Corpse-Shirt auf seine Partys kommen. Der Trash scheint ein verbindendes Element für alle Musikhörer zu sein.


Foto: Art DeCore

Als eines der bisherigen Highlights seiner Kackfisch-Karriere führt der Bruchsaler seine beiden Auftritte beim Abi-Move in Pforzheim an. Die Abiturjahrgänge der Pforzheimer Gymnasien organisieren jedes Jahr eine mobile Party auf LKW-Ladeflächen, die zunächst vom Marktplatz zum Messplatz führt und dort schließlich vor einer Bühne ihren gebührenden Abschluss findet. Seinen Auftritt im letzten Jahr als Mehr-oder-weniger-Headliner beschreibt Kacki als unglaublich. Für die Abijahrgänge schmeißt Kacki außerdem vergünstigte Feten, um die Abikassen der Schüler zu schonen. Als wir gemeinsam ein Video von seinem Auftritt beim Abi-Move sehen, steigen ihm fast die Tränen in die Augen, so sehr berührt ihn die tobende Masse und dass er seinen Beitrag dazu leisten durfte. Wie er es ausdrückt klingt überhaupt nicht kitschig, er empfindet das tatsächlich so, das zeichnet ihn aus. Im HipHop würde man ihm absolute Realness bescheinigen. Die gesamten Einnahmen einer Party spendete Kackfisch einmal für das schwer erkrankte Kind einer Freundin. Er selbst hatte es nicht immer leicht, als Jugendlicher geriet der Enkel eines aus Armenien eingewanderten Gastarbeiters, wie bereits erwähnt, auf die schiefe Bahn, hatte in einem harten Umfeld in Bruchsal und als 17jähriger mit dem Tod seiner Mutter zu kämpfen. Kacki hat die Kurve gekriegt, ist ein emotional intelligenter junger Mann geworden, der beim Gedanken an seine Mutter mit den Augen Richtung Himmel guckt. Er ist bescheiden und sich für nichts zu schade. Obwohl er es nicht unbedingt müsste, arbeitet er nebenher noch als Tellerwäscher, weil es ihm Spaß macht und er dabei gut abschalten kann. Harmonie ist ihm ganz wichtig, seine Partys seien jederzeit stressfrei, betont er. Ganz selten kommt es zu Aggressionen unter seinen Gästen, durch seine Art das Publikum zu begeistern, schlichtet er quasi präventiv. Um noch höher hinaus zu kommen, hat sich Kacki kürzlich für den Schrank der ProSieben-Show Circus Halligalli beworben. Sein Bewerbungsvideo hat er vor Kurzem zur Post gebracht. Dabei geht es ihm weniger um Fame, sondern auch darum etwas zurückzugeben, wenn er im Fernsehen seinen Trash-Hammer schwingen darf, wieder so eine emotionale Parole, die man ihm aber getrost abkaufen darf.


Foto: Art DeCore

Schließlich kommt die Sprache auf Kackfischs Namen. Es musste sein: Wie kommt man denn nur auf so ein, mit Verlaub, vollkommen bekacktes Pseudonym? Die Geschichte ist dabei relativ unspektakulär: Als die erste „I LOVE TRASH“ Party in Planung war, erzählt Kackfisch, rief ihn Sarah vom Liebstöckl an und meinte sie brauche unbedingt einen Namen für das Plakat. Schließlich kam ihm der fixe Einfall, als er sich erinnerte tags zuvor per ICQ mit einem Kumpel über kackende Fische philosophiert zu haben. Den Doktortitel bekam er nach einiger Zeit ehrenhalber verliehen, da seine Partys „das beste Rezept gegen Langeweile“ seien. Mittlerweile aber, so fügt er an, würde er meist mit Kacki angesprochen. „Ich habe mir als Jugendlicher immer einen Spitznamen gewünscht“, erklärt Kackfisch, der im echten Leben Sevan heißt. „Sevi aber war nie eine Option. Jetzt habe ich einen Spitznamen und der ist eben Kacki“. Die Runde lacht, Kacki lacht mit. Auch Art DeCore wird meist einfach Arti gerufen. Die beiden sind wie ein Bruderpaar, treten auf wie ein Herz und eine Seele. Eine echte Männerfreundschaft. Die beiden wirken mit dem was sie machen und wie sie es machen ganz und gar natürlich. Erfrischend, wenn man bedenkt, wie so mancher Performer, ob Musiker oder DJ, die Nase am oberen Anschlag hängen hat. „Wir sind auch nur zwei ganz normale Idioten“, wirft Art DeCore ein. Ich fühle mich in guter Gesellschaft.


Foto: Sebastian Weindel

Wer einmal dabei sein will, wenn Kacki ins Kostüm schlüpft und die Trash-Meute kochen lässt, findet auf Facebook die aktuellen Events.

Mehr Infos über Kackfisch und seine „I LOVE TRASH“ Partys:
Website: http://ilovetrashparty.de/
Facebook: http://www.facebook.com/ilovetrashparty
Vimeo: http://vimeo.com/kackfischtv
Instagr.am: http://www.instagram.com/ilovetrashparty
Online Shop: http://www.shop.ilovetrashparty.de

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