Dark Light
In seiner EP “Blauphase” zeichnet Mole gemeinsam mit dem Stuttgarter Louis Largo ein tristes Bild unserer Generation. Im Gespräch mit kavantgar.de erklärt er uns, dass wir alle Fische sind und aufwachen müssen. Musikalisch schwimmt er aber nicht nur in Rap-Gewässern, sondern traut sich auch mal zu anderen Ufern.

„Generation alles 1000 mal umwerfen / endlich Abschluss feiern einmal ausgehen und sterben/ wir sind alle abgefucked, trauernde Herzen/ die Luft wird langsam knapp, wir brauchen Sauerstoffreserven“, es ist nicht gerade ein positives Bild unserer „Generation-iPhone“, welches der Karlsruher Rapper Mole gemeinsam mit Louis Largo im Track „Atmen“, aus der gemeinsamen „Blauphase EP“, zeichnet. Entstanden ist die EP aus einer kalten Fusion der beiden Stiefgeschwister Stuttgart und Karlsruhe. Gemeinsam wurden Beats gesucht, Lyrics getextet, lange Skype-Gespräche geführt, Züge verpasst, Schnäpse getrunken, alles nochmal über den Haufen geworfen um es nochmal neu und besser zu machen. Vier Tracks sind dabei entstanden, die einen runterziehen auf den Grund eines Aquariums namens Leben. „Wir schwimmen ja alle in diesem Aquarium“, so Mole. „Oft spielen wir uns ja einfach gegenseitig nur was vor. Bei mir stellt sich so ein Gefühl ein, dass alles wertlos wird. Du machst so viel, aber es ist nicht nachhaltig.“ Doch die Moralkeule will Mole um Gottes Willen nicht schwingen „Ich bin ja kein Prediger!“. Es gehe vielmehr darum, die eigenen Probleme mit denen der Gesellschaft abzugleichen. „Unsere Generation hat in meinen Augen auch ein Stück weit eine Identitätskrise. Alle berufen sich auf alte Werte. Man muss zuerst das Problem erkennen und damit den ersten Schritt machen.“

Uns beherrscht die Blauphase

Blauphase, beschreibt den Zustand in einem Aquarium, wenn den Fischen durch künstliches Licht Nacht suggeriert wird. In einem solchen Zustand zeichnet Mole das Bild einer Gesellschaft, die in einem vegetativen Zustand vor sich hinexistiert. Dabei sieht sich Mole, der anfing zu rappen als die Rapwelt Berlin für sich entdeckte, selbst als Beobachter des Aquariums und als Fisch zugleich. „Auch ich versuche herauszufinden, was ich machen möchte, deswegen kann und will ich mich auch musikalisch nicht festlegen. Ich meine klar ist das Rap, doch ich bin immer auf der Suche nach weiteren Einflüssen.“ So sucht man auch der EP vergeblich nach klassischem Boombap-Rap. Viel mehr öffnet sie sich einem tiefen Meer berauschender Sythie-Wellen, tief unten die Bässe, hoch oben der grell blendende Himmel. Die Produktionen der EP stammen aus der Parallelwelt der Soundcloud-Community und bewegen sich äußerst gekonnt in einer Welt zwischen instrumentalen Hip-Hop-Fricklertum und zeitgeistigem Elektro. Passend zum chronisch depressivem Blau des Meeres, ist auch die vorherrschende Stimmung melancholisch, duster bis abgrundtief vergessen, verletzt, enttäuscht. Das Video zu dem Song „Aquarium“ hat die Crew von Yankton filmisch umgesetzt, die gemeinsam schon mehrere Projekte visuell aufgestellt haben. That´s what friends are for.

Dass Mole live sehenswert und unberechenbar im positivsten Sinn ist, zeigte er erst kürzlich bei einem Auftritt bei einer Underground-Party (keine Angst, Underground meint hier Keller). Hier rappte er sich in bester Mr.-West-Manier über Noise-Gelage die Seele aus dem Leib. Falls ihr Mole selbst live sehen möchtet, habt ihr am 21.03.2014 | BEAT KLUB mit EDGAR WASSER die Möglichkeit selbst in die Tiefen das Aquariums einzutauchen. Also sei kein Fisch und komm vorbei!

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