Dark Light
In der alten Fettschmelze auf dem Schlachthofgelände entstehen immer mehr kreative Synergien. Mit der Projektraum wird ein Ort für moderne Kunst geschaffen. In der Auftaktausstellung – Self Sustained Order- spielt das Baseler Künstlerduo Admir Jahic und Comenius Roethlisberger mit dem Zufall und dem Moment kurz bevor alles zusammenbricht.

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Vergilbte Fließen an den Wänden, eine rostige alte Treppe, überall Überreste der ehemaligen Industrie. Jetzt wird hier anders produziert, doch ein Verschmelzen findet gleich auf mehreren Ebenen statt. Die Fettschmelze wächst bereits seit einem Jahr als interessanter Ort für kreative Synergien unter der Regie von Kristof Knauer und Lukas Hechinger. Der Architekt und der Möbelbauer rissen selbstständig Wände ein, schafften Platz zum Arbeiten, Feiern und Kreative Sachen machen. Mit dem „Projektraum Fettschmelze“ ist hier nun ein Ort für moderne Kunst entstanden. „Mir ist es wichtig einen Raum für Austausch zu schaffen“, so die für den Projektraum zuständige Kuratorin Maria Tanbourgi. Maria arbeitet zur Zeit auch in einer kommerziellen Galerie und will mit dem Projektraum eigene Schritte wagen. „Ich fand die Räumlichkeiten von Anfang an spannend und nachdem ich mich mit Kristof unterhalten habe, ging alles ziemlich schnell.“ Damit dieser Austausch auch praktisch umgesetzt werden kann, wird es immer wieder Veranstaltungen begleitend zu den Ausstellungen geben. Maria will mit dem Projektraum einen neuen Offspace in Karlsruhe etablieren, welcher vor allem auch internationalen Austausch erlaubt, offen mit Kunst an seine Betrachter tritt, damit auch außerhalb der etablierten Institutionen etwas passiert.

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Fragile Zustände kurz vor dem Zusammenbruch

Mit der Ausstellungseröffnung Self Sustained Order des Baseler Künstlerduos Admir Jahic und Comenius Roethlisberger wurde der Startpunkt gesetzt. Das Duo entwickelte eine Rauminstallation vor Ort, welche den Zufall und spontane Organisation in den Fokus stellt. Ein riesiger Papierbogen verhüllt die Wand im ersten Raum. Scheinbar gestützt auf wenigen Holzbalken. Ein Spiel mit den Kräften der Physik und mit dem Raum; denn die glatte Oberfläche des Papier wirft Falten und hat Knicke, im Zusammenspiel mit dem Licht entsteht eine zarte Schattenzeichnung, ein Panorama leuchtet auf. An der Decke bilden mehrere Leuchtstoffröhren eine Lichtskulptur, diese verstärkt die Schattenwürfe auf dem Papierbogen. Sie erschaffen „Systeme, die kurz vor dem Zusammenbruch sind“, so Admir Jahic, der bis vor neun Jahren noch in der Werbung war. „Wir können nur einen kleinen Teil planen, was schlussendlich passiert, weiß man nicht.“

Lampen hängen lose von der Decke und bilden einen Übergang in den zweiten Raum. Hier verdichten sie sich, hängen mit dem Eindruck der Schwerelosigkeit über glatten Flächen. Das Licht spiegelt sich in den alten Fließen und den Plexiglasgüssen auf dem Boden. Dabei erinnert die glatte Oberfläche an Displays. Und genau damit spielt das Künstlerduo „Bei uns sind es ja nicht-berührbare Oberflächen“, doch in Zeiten von Touchdisplays verspüre man den Wunsch, die glatten Oberflächen zu anzufassen. Auch die Objekte auf dem Boden sind ein Experiment mit dem Zufall. Kunstharz wird auf Plexiglas gegossen. „Dabei arbeitet das Material und wir wissen nicht wie es reagieren wird. Das Material arbeitet für uns“, so Comenius. „Durch den Zufall können so Dinge erschaffen werden, die planbar nicht möglich wären.” Durch die Leuchtstoffröhren entsteht ein übergeordneter Zusammenhalt, eine Self Sustained Order. Mit der Ausstellung wurde jetzt ein solider Grundstein gelegt, man darf gespannt sein wie sich die Fettschmelze und der Projektraum entwickeln werden, Pläne gibt es schon en masse. Fotos: Willy Abraham.

Weitere Infos zur Fettschmelze: http://fettschmelze.org/
und zu den Künstlern: www.jahic-roethlisberger.ch/

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